Montag, 22. Juni 2015

Was wäre eigentlich, wenn die Potenzierung wirklich funktionieren würde?

Mal für einen Moment angenommen, das mit der Potenzierung würde so wie von Hannemann vorgeschlagen funktionieren. Dann hätten wir ein krasses Problem.
Die Ursprungssubstanz wird ja in Wasser gelöst. In normalem Trinkwasser können sich neben den H2O-Molekülen viele weitere Stoffe befinden: Schadstoffe (in erlaubten Mengen), Reste von Medikamenten, Sexualhormone, Güllereste, Nitrate, Keime wie Legionellen oder Noro-Viren, Kalk, Beimengungen zur Wasserenthärtung (Enthärtersalze), Rost bei alten Leitungen, und viele weitere mögliche Stoffe. (1)

In diesem bunten Gemisch haben wir nun also z.B. unsere Arnika Pflanze gelöst. Wir haben dabei den Staub auf der Pflanze, vielleicht auch einige Pollen oder andere Schwebstoffe mit eingesammelt und all diese mit in dem Wasser aufgelöst. Eventuell gelangen auch noch etwas Hautfett und einige Hautzellen mit in unsere Mischung. Nun geben wir das Ganze in eine Glas- oder Plastikphiole (also weitere Moleküle, die in geringsten Mengen mitverschüttelt werden) und fangen an mit der Potenzierung. Wir schütteln also das Gemisch kräftig und klopfen es auf eine weiche Unterlage, entnehmen einen Tropfen, verdünnen diesen mit neuem Wasser und schütteln erneut. Von der Arnika-Ursprungsslösung kommen wir nun zur D1 und von dort immer weiter. Der Anteil der Arnika-Pflanze wird immer geringer, da wir ja jedoch immer frisches Wasser zum Verdünnen hinzugeben, wird der Anteil der im Wasser gelösten Fremdbeimengungen immer größer.
Wir stehen also vor zwei Problemen:
  1. Wieso kann sich die immer verdünntere Arnika gegen all die fremden und ja eigentlich unerwünschten Beimengungen durchsetzen?
  2. Wieso wird allein die Arnika zu "Energie", die anderen Stoffe aber nicht?
Konsequent zu Ende gedacht, würde die Potenzierung doch bedeuten, dass wir am Ende alle Stoffe potenziert hätten, die in der Ursprungsmischung vorlagen und alle lägen nun als "Energie" vor. DAS möchte ich ehrlich gesagt nicht verpasst bekommen - ein "energetischer" Gift- und Ekel-Cocktail und die "Arnika-Energie" ist dabei auch noch die geringste... So gesehen haben wir wirklich Glück, dass die Potenzierung nicht funktioniert!



(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Trinkwasser#Schadstoffbelastung

Kommentare:

  1. Das ist ja gerade das Wirksame an der homöopathischen Potenzierung, die Mischung machts!!! Typisch schulmedizinisch-materialistisches Scheuklappendenken!
    Die Hahnemann'sche Lebenskraft weiss ganz genau, was es potenzieren muss, wenn eine Arnika verrieben wird. Diese Kraft lässt sich doch durch ein paar "Verunreinigungen", wie Sie das hämisch nennen, doch nicht austricksen. Haben Sie noch nie den Unterschied zwischen D12 und C30 bemerkt, der ist doch wissenschaftlich nachgewiesen, fragen Sie doch mal nach bei der Carstens-Stiftung, die sagen Ihnen gerne Bescheid, was der Unterschied ist. Aber C30 und höher ist nur was für ganz Erfahrene Homöopathen, da traut sich nicht jeder ran.
    Außerdem: Wenn das ganze Potenzieren nicht funktionieren würde, warum geben sich dann die Globuli-Hersteller so viel Mühe damit? Die könnten dann ja ganz einfach auf das Potenzieren verzichten, und sich einen Haufen Zeit und Arbeit sparen. Aber, das wird genau überprüft und kontrolliert, damit da kein Fehler passiert. Habs genau erkärt bekommen bei einer Betreibsbesichtigung bei Heel und DHU, nur damit Sie's wissen. Ein Schüttler zuviel und man kann alles wegwerfen und muss wieder von vorne anfangen!

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    1. Tja, die Sache mit "Ein Schüttler zuviel..." wäre bei einer Betriebsbesichtigung in AT vor langer Zeit meine zweite Frage gewesen.
      Denn am Beginn konnte man sehen, wie stapelweise Fläschchen beim Verladen "nachpotenziert" wurden.

      Besser jedoch war das nicht allzu große Produktionslabor" mit 2-3 Leuten. Dort wurde weiß gewandet von Hand verschüttelt, nett anzusehen, rituell, sauber, mystisch. Die jeweils hergestellte Potenz wurde dann in großen Kesseln auf die Globuli aufgebracht.

      Dummerweise hat man uns genau am Glasfenster zum "Labor" stolz die Produktionszahlen und breite Produktvielfalt aller Potenzen mitgeteilt.
      Es war die einzige Produktionsstätte.

      Habe die Zahlen nicht mehr im Kopf, hatte das damals spontan pi mal Daumen durchgerechnet und verkündet "Das geht sich nicht aus."
      Das wurde ignoriert, am Ende bekam ich freundlich Hausverbot.

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  2. Und woher weiß die Lebenskraft das so genau?

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  3. Das ist allgemein akzeptierter Binnenkonsens, dass die gottliche Lebenskraft das "weiß". Hahnemann hat sich das doch nicht einfach ausgedacht,oder?
    Also ist das homöopathisches Allgemeinwissen und intuitive Erfassung für jeden professionell denkenden GesundenHömöopathieverstand und außerdem wissenschaftlich/schulmedizinisch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Erklärung gefunden wird (Wassergedächtnis, Imprinttheorie, Nanobubbles, Quantenphysik…) Nur weil man etwas noch nicht genau erklären kann, heisst das noch lange nicht, das es nicht funktioniert. 250 Jahre H. und Abertausende von erfolgreichen Homöopathen und Millionen genesener Patienten weltweit können nicht irren! Sie waren ja selber mal erfolgreich.
    Gegenfrage: Wie lautete denn Ihre Erklärung dafür, wenn Sie das einer ihrer Patienten vor ein paar Jahren gefragt hätte?

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    1. Doch, genau das ist der Punkt: Hahnemann HAT sich das alles ausgedacht. Er ist insofern entschuldigt, als dass zu SEINER Zeit durchaus alles Mögliche möglich war. Aber wir haben uns diesbezüglich medizinisch immens weiter entwickelt!
      In meiner Zeit als Homöopathin habe ich auch so argumentiert wie Sie: Wir wissen eben noch nicht alles, wie kann man da behaupten, Hahnemann habe Unrecht. Es hat mich viel Zeit und viele innere Kämpfe gekostet, eine Sache klar zu kriegen: Wir WISSEN heute, dass Hahnemann Unrecht hatte, dass seine Vorstellung einer Lebenskraft nicht irgendwann bewiesen werden wird, sondern als nette Idee von vor 200 Jahren abgelegt werden muss, wie eine schlechte Angewohnheit. Es gibt da auch nichts mehr zu erwarten oder zu erhoffen. Hahnemann hat sich geirrt. Und es geht auch nicht darum , einen "Binnenkonsens" oder auch einen allgemeinen Konsens darüber zu erreichen, was irgendwie uns Homöopathen angenehm oder wünschenswert wäre. Sondern es geht darum, sich die Fakten anzuschauen und zwar mit den Methoden unserer heutigen Zeit. Da fällt die Homöopathie raus aus der Medizin.
      Privat kann man alles glauben und machen, kein Thema. Aber die Medizin ist Naturwissenschaft und diese ist eine Methode um herauszufinden, was denn nun wahr oder falsch ist. Da bleibt bei "falsch" kein Platz für persönliche Interpretation oder für einen Angriff der Methode ("blöde Schulmedizin, die kapiert ja gar nix!"). Tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen.

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  4. @Anonym

    „Wenn das ganze Potenzieren nicht funktionieren würde, warum geben sich dann die Globuli-Hersteller so viel Mühe damit? Die könnten dann ja ganz einfach auf das Potenzieren verzichten, und sich einen Haufen Zeit und Arbeit sparen. Aber, das wird genau überprüft und kontrolliert, damit da kein Fehler passiert.“

    Richtig. Das könnten sie.
    Am fertigen Produkt kann man jedenfalls keine Qualitätskontrolle durchführen.
    Auch Homöopathen können Hochpotenzen nicht mehr voneinander unterscheiden. Das war zum Beispiel eines der Ergebnisse im „Donner-Report“.
    (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/fruehe-homoeopathie-studie-wir-koennen-doch-gar-nicht-was-wir-behaupten-a-706337.html)

    Und als tatsächlich einmal bei einem Homöopathika-Hersteller durch einen Produktionsfehler in jedem vierten Fläschchen kein „Wirkstoff“ zugefügt wurde, gab es von extern nicht eine einzige Beschwerde: Nirgends war der Unterschied zu den korrekt hergestellten Globuli aufgefallen. (http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2012/09/02/fda-kritik-an-qualitatsmangeln-beim-homoopathika-hersteller-nelson.html)

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  5. @ Anonym


    „Das ist allgemein akzeptierter Binnenkonsens, dass die gottliche Lebenskraft das "weiß".“

    Also: Ihr Argument ist: Was alle sagen, das kann nicht falsch sein.
    Das bedeutet aber auch, dass Hütchen Spiel fair ist. Genau das werden Ihnen schließlich alle Hütchenspieler sagen.
    Alle Astrologen werden Ihnen sagen, dass Horoskope funktionieren und alle Wahrsager werden sagen, dass sie sehr wohl die Zukunft sehen können.



    „Hahnemann hat sich das doch nicht einfach ausgedacht, oder?“

    Das Problem ist, dass Hahnemann selbst seine Überlegungen nicht mit geeigneten Methoden überprüft hat: Er hat keine placebokontrollierten und verblindeten Studien durchgeführt. – Diese Methode war damals gerade erst im Entstehen. Bereits die ersten sauberen Versuche, die Vermutungen der Homöopathie mit dieser aussagekräftigen Methode zu testen („Die homöopathischen Kochsalzversuche zu Nürnberg“ 1835) schlugen fehl und zeigten klar den Placebocharakter.

    Arbeitet man dagegen unverblindet, so entsteht nur allzu leicht der Eindruck, ein Verfahren würde helfen. Es gibt Gründe, warum man über Jahrhunderte hinweg nicht erkannte, dass der Aderlass den Patienten mehr schadet als hilft:

    Im Vergleich mit der Medizin seiner Zeit konnte Hahnemann seinen Irrtum ohne saubere Testmethode nicht erkennen. Hinweise gab es sehr wohl: Immerhin hat er das Organon fünfmal umgeschrieben, teils mit erheblichen Änderungen. Ihm fiel also offensichtlich immer wieder auf, dass das Verfahren nicht hundertprozentig zuverlässig funktionierte.




    „250 Jahre H. und Abertausende von erfolgreichen Homöopathen und Millionen genesener Patienten weltweit können nicht irren!“

    Die Hexenverbrennungen hat man erheblich länger für gerechtfertigt gehalten.
    Der Aderlass hielt sich erheblich länger.
    Die Astrologie gibt es seit über 2000 Jahren.

    Und nicht jede Genesung nach Einnahme eines Mittels erfolgte wegen dieser Einahme.
    Wenn ich behaupte, Gummibärchen würden Schnupfen auskurieren, so werden meine Patienten tatsächlich wenige Tage nach Einnahme der Gummibärchen genesen.
    Und ich kann es sogar reproduzieren.


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  6. @ Anonym


    „Nur weil man etwas noch nicht genau erklären kann, heisst das noch lange nicht, das es nicht funktioniert.“

    Vollkommen richtig. Nur: Das behauptet ja auch niemand. So wird die Kritik an der Homöopathie lediglich in einschlägigen Texten dargestellt. Dies ist jedoch nicht die Situation der Homöopathie.

    Das Gedankengebäude Hahnemanns basiert auf dem Wissensstand seiner Zeit, ist also rund 200 Jahre alt. Seitdem haben die Naturwissenschaften enormen Erkenntnisfortschritt geliefert. Wir haben zum Beispiel überhaupt erst die Welt der Atome erkannt und verstehen gelernt.

    Mit diesen fortschreitenden Erkenntnissen stehen Hahnemanns Vorstellungen im Widerspruch. Sie waren mit dem Wissen von vor 200 Jahren noch vereinbar, mit dem heutigen Wissen der Physik, der Chemie, der Biologie oder der Pharmakologie sind sie es nicht mehr.

    Gleichzeitig konnte die Homöopathie in 200 Jahren keine Wirksamkeit über Placebo reproduzierbar belegen. Außerdem gibt es zahlreiche, einander widersprechende Varianten der Homöopathie, die alle von ihren jeweiligen Vertretern für die einzig wahre und am besten funktionierende gehalten werden. Das ist ein eindeutiger Hinweis auf den Placebocharakter des Verfahrens. (Man denke auch hier an die Astrologie, bei der sich zum Beispiel europäische und chinesische Hypothesen widersprechen.)

    Kurz: Wir haben ein absolut stimmiges Bild, das sich aus mehreren voneinander unabhängigen Puzzleteilen zusammensetzt.



    „wissenschaftlich/schulmedizinisch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Erklärung gefunden wird“

    Nein. Wie eben erklärt: Mit der Homöopathie blicken wir nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit unseres Wissens. Wir betrachten heute schon Widerlegtes.



    „Wassergedächtnis,….“

    Nein. Ein Wassergedächtnis ist ebenfalls widerlegt, auch wenn es immer wieder durch die Esoterik geistert. Auf ein einfaches Molekül, wie es das H2O nun einmal ist, können Sie nichts aufmodulieren – schon gar keine komplexe Information. Cluster halten sich bei Zimmertemperatur nachweislich(!) nur über wenige Femtosekunden. Dann brechen sie aufgrund thermischer Bewegungen auf und bilden sie sich neu. Atommodell, Quantenmechanik und Thermodynamik müssen Sie also auch für ein Wassergedächtnis mindestens komplett wegwerfen

    Aber selbst, wenn wir – nur zum Spaß – einmal annehmen, es könnte ein Wassergedächtnis geben. Dann hilft das der Homöopathie leider gar nicht, denn…

    • Globuli enthalten kein Wasser. Sie bräuchten dann noch ein Zuckergedächtnis;
    • Sie müssten erklären, warum sich das Wasser nur die gewünschten Eigenschaften der Stoffe merkt, nicht die Nebenwirkungen;
    • Sie müssten erklären, warum sich das Wasser nicht die Eigenschaften der Gefäßwände merkt;
    • Sie müssten erklären, warum es sich nicht die Eigenschaften der Verunreinigungen merkt (die beizeiten die Konzentration der Wirkstoffe überschreiten, Frau Grams liegt hier mit ihrem Hinweis oben völlig richtig);
    • Sie müssten erklären, warum bei der Herstellung der Homöopathika die wertvollen "Erinnerungen" zu 90 bis 99% pro Potenzierungsschritt in den Ausguss gekippt werden und was daran effektiv sein soll; ein Wassergedächtnis führt den Herstellungsprozess der Homöopathika eigentlich ad absurdum;
    • Sie müssten erklären, warum diese Erinnerungen in den Ausguss gekippt werden dürfen und geschütteltes Wasser ganz allgemein kein Sondermüll ist;
    • Sie müssten erklären, warum sich das Wasser nicht überall in der Natur bei allen munter vor sich hinplätschernden Bächlein alle möglichen Erinnerungen einfängt;
    • Sie müssten erklären, warum überhaupt gezielte Stoffwechselprozesse möglich sind, wenn im Wasser immer und überall alle möglichen abwesenden Stoffe am Wirken sind, weil es sich an sie erinnert - und damit müssten Sie letztlich erklären, wie Leben an sich möglich sein kann, mit so einem Wasser...

    Ein Wassergedächtnis wirft sehr viel mehr gravierende Fragen auf, als dass es sie löst. Es ist eine Scheinerklärung.


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  7. @ Anonym


    „Imprinttheorie,…“

    Nein. Wie gesagt: Messungen ergeben, dass sich Wasserstoffbrückenbindungen in Lösungsmitteln rund alle 50 Femtosekunden neu gebildet haben.

    Arbeiten, zu dieser „Imprinttheorie“ (wie die oft zitierte „Thermolumineszenz“ von Rey) sind grob fehlerhaft. (Rey benutzt zum Beispiel sogenanntes „schweres Wasser“, also Wasser mit einem hohen Anteil an Deuterium statt Wasserstoff. Der Reinheitsgrad von schwerem Wasser beeinflusst empfindlich das Thermolumineszenzverhalten. Die Unterschiede der Proben können sich dann sehr leicht durch diese unnötig eingebrachte Fehlerquelle ergeben – ein Problem, das die Autoren nicht einmal andiskutieren.)




    „Nanobubbles,…“

    Nein. Auch die Nanopartikelarbeit von Chikramane ist grob fehlerhaft. Nichtsdestotrotz wird sie auf einschlägigen Webseiten wieder und wieder zitiert. Die Autoren machen keine Gegenprobe mit dem verwendeten Lösungsmittel: Sie prüfen also nicht, ob die in den Homöopathika gefundenen Teilchen nicht schon im Lösungsmittel vorhanden sind. Dass sie ein konstantes Konzentrationsniveau messen, das in allen untersuchten Potenzen gleich ist (was eigentlich den Aussagen der Homöopathie widerspricht), weist eindeutig in diese Richtung.
    Abgesehen davon kann auch das ganze Modell der Nanoteilchen die Behauptungen des homöopathischen Gedankenmodells nicht erklären, denn es kann nicht erklären, wie sich Wirkungen über die Potenzen verändern sollten.




    „Quantenphysik…“

    Nein. Definitiv nicht, auch wenn eine der liebsten Behauptungen auf einschlägigen Webseiten. Vielmehr ist es wie oben erklärt gerade die Atom- und Quantenphysik, die der Annahme einer gezielten Wirkung von Stoffen in Abwesenheit widerspricht.

    Eine wesentliche Aussage der Quantenphysik ist die Ununterscheidbarkeit quantenmechanischer Zustände: Atome einer Sorte sind ununterscheidbar. Dies wird durch Boltzmanns statistische Interpretation der Entropie in der Thermodynamik unabhängig und vollständig bestätigt. Zudem sind keine Eigenzustände einer Atom/Molekülsorte auf eine andere übertragbar (Stichwort "diskrete Spektren").


    Gerade dass in der sogenannten Homöopathieforschung derart hanebüchen fehlerhafte Arbeiten und Behauptungen von niemandem kritisiert werden, sofern sie nur irgendeinen Unterschied zugunsten der Homöopathie zu ergeben scheinen, ist eigentlich ein weiteres "Red Flag".

    Im DZVHÄ sind knapp 7000 Ärzte Mitglied. Man sollte meinen, dass wenigstens einer davon ausreichend ausgebildet sein müsste, in mehreren Jahren einmal zu bemerken, dass z.B. die Chikramane-Arbeit von erschreckenden Anfängerfehlern nur so strotzt, die man keinem Laborassistenten so durchgehen lassen würde.

    Wurde die Arbeit je dahingehend kritisiert? Nein! Das lässt sehr, sehr tief blicken.

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    1. Liebe Frau Parsch,
      danke für Ihre Ausführungen. Ich folge Ihren Argumenten und Ihrer Denkschärfe schon seit geraumer Zeit und möchte mich an dieser Stelle für beides bedanken. Darf ich fragen, ob Sie Physikerin sind?
      Ich beobachte jedoch immer wieder (und kenne das auch aus meiner eigenen Erfahrung), dass viele (gute! richtige!) Argumente nicht unbedingt viel erreichen. Mir ging es oft so, dass ich bei diesen Rat-Schlägen oft mehr den Schlag empfand als den Rat hören konnte.
      Die Frage ist ja, wie nähert man sich Menschen, die zutiefst überzeugt sind. Wie jemandem, der süchtig ist. Da nutzen gute Argumente auch oft nicht viel. Ich versuche es deshalb etwas mehr so, dass ich mich an mich selbst erinnere und so schreibe, wie ich es vielleicht selbst gebraucht hätte, um "aufzuwachen". Ich hoffe, Sie können mir insofern meine Unschärfe etwas nachsehen?! Beste Grüße, Natalie Grams

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    2. Hallo Frau Grams,

      danke für das Kompliment, das ich gerne zurückgebe. Ihr Buch habe ich wirklich mit Freude gelesen. Es ist meiner Ansicht nach endlich ein Buch geworden, das man jemandem empfehlen kann, der selbst schon positive Erfahrungen mit Globuli hatte.

      Ich denke, dass die Behutsamkeit, mit der Sie Ihre Argumente darin auf den Tisch legen, tatsächlich auch viele Anwender der Homöopathie erreichen kann.
      Leider denke ich ebenfalls, dass das Buch von vielen Homöopathen einfach genauso ignoriert werden wird, wie die Widersprüche zum naturwissenschaftlichen Wissen.

      Ja, ich bin Physiker. Wenn ich ehrlich bin: Gerade deshalb ärgert es mich auch immer besonders, wenn sich Homöopathen hinter dem Begriff "Quantenphysik" verstecken.
      Nach dem Diplom bin ich allerdings nicht an der Universität geblieben, sondern in die Industrie gewechselt. Und seit der Geburt meines Sohnes bin ich daheim.


      Und ja: Das große Problem in der Homöopathiediskussion ist die Suche nach dem richtigen Ton. Wie bringt man den Gesprächspartner dazu, sich überhaupt mit der Sachfrage, dem Argument zu beschäftigen – und nicht emotional abzublocken? ''Es ist leichter die Menschen zu täuschen, als sie zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind.'' (Mark Twain).

      Vielleicht kann ich da noch von Ihnen lernen; ich bin mir durchaus im Klaren, meist etwas zu schulmeisterlich zu sein… ;-)

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    3. :-) Danke für Ihre Antwort. Ich versuche einfach das emotionale "backfire" klein zu halten... Aber wir ergänzen uns doch prima, einen haben wir ja bereits überzeugen können;-))

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  8. Ok, ich muss erst nochmal durch die ganzen Argumente von Frau Parsch durch.
    Passt alles, ist nicht zu widerlegen, auch wenn ich die Details nicht im Einzelnen überprüfen will.
    Nur: wenn das alles stimmt, dann..., ja dann sind diese Homöopathen die reinsten Scharlatane, die Globuli-Hersteller die reinsten Abzocker, die DZVhÄ eine kriminelle Vereinigung und deren Mitglieder nicht bei klarem Verstand, Forschungsarbeiten zur H. die reinste Verschwendung von Geld und Forschungsressourcen, alle "überzeugten" Homöopathen und Patienten Opfer einer gigantischen Selbsttäuschung, die von krankenKassen, Lobbyisten und Politikern noch darin bestätigt werden, diesen Humbug weiterzubetreiben.
    Also eine gigantische Verschwörung!? Nur zu welchem Zweck? frage ich mich.
    Am besten, ich lasse mir morgen ein Verfahren zur kostengünstigen Herstellung von Hochpotenzglobuli patentieren, bei dem man durch eine geheime Prozedur auf das aufwändige Geschüttle verzichten kann. (Ich könnte mir vorstellen, Sie beide als Co-Produzenten mit ins Boot zu nehmen. wir werden alle reich werden.) Wieso ist da noch keiner draufgekommen, im Ernst!

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    1. Ich will da jetzt mal nur von mir sprechen: ich hatte als Homöopathin echt das Gefühl, im Recht zu sein und das Richtige zu tun. Der Zweck schien mir, meinen Patienten helfen zu können. Sehe ich nun zum Glück anders.
      Insofern, auch wenns schade um die Kohle ist, sollten wir eher weiter aufklären als auf den Globuli-Gaul setzen;-)
      Und: wow, schön, dass Sie bereit sind, Ihre bisherige Meinung zu überdenken!

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    2. Aufklärung? Da haben Sie sich ja was Großes vorgenommen.
      Doch da verdienen sich viel zu viele eine goldene Nase: Ärzte, Heilpraktiker, "Ausbilder" (LOL), Globulihersteller, Apotheker, Autoren, usw.
      Und sie sagen, die Hömöopathen glauben wirklich an den Sch... ? Ich glaube vielmehr, wenn das von Parsch und Ihnen alles stimmt, sind die Homöopathen ganz abgezockte Hütchenspieler. Mir eine Erstverschlimmerung (da hat die Lebenskraft wohl den Rückwärtsgang eingelegt) einreden zu wollen, ist dann doch purer Zynismus.

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    3. Hallo "Anonym",

      ""Nur: wenn das alles stimmt, dann..., ja dann sind diese Homöopathen die reinsten Scharlatane, die Globuli-Hersteller die reinsten Abzocker, die DZVhÄ eine kriminelle Vereinigung und deren Mitglieder nicht bei klarem Verstand, Forschungsarbeiten zur H. die reinste Verschwendung von Geld und Forschungsressourcen,""

      Sie werden lachen, das denke ich mir auch manchmal: Kein Wunder, dass die Leute nicht glauben können, dass das reine Placebos sind. Die enorme Tragweite dieser Aussage lässt da die Naturwissenschaften fast schon wie Verschwörungstheoretiker dastehen.

      Nur: Nein! Ich denke keineswegs, dass alle Homöopathen Scharlatane sind.

      Wenn wir die Geschichte der Medizin betrachten, dann fällt auf, dass sich vollkommen unbrauchbare oder sogar schädliche Verfahren jahrhundertelang halten konnten. Ich hatte gestern schon den Aderlass genannt als Beispiel.

      Ich denke, wir Menschen unterliegen heute noch genau derselben Anfälligkeit für den Irrtum wie vor hunderten von Jahren. Irren ist menschlich. Der Mensch von heute ist einfach nur genauso anfällig für den Irrtum, wie alle Menschen zu allen Zeiten. Und das gilt für jeden von uns, auch wenn uns der Gedanke nicht gefällt.

      Nein, ich denke, dass die Erfolgsgeschichte der Homöopathie nur in sehr wenigen Fällen etwas mit bewusster Täuschung oder Scharlatanerie zu tun hat.

      Christian Weymayr, der für sein Buch „Die Homöopathielüge“ von vielen Homöopathiefans arg gescholten wurde, schreibt zum Beispiel darin, dass es eigentlich meist besonders mit ihren Patienten mitfühlende Ärzte sind, die es irgendwann einmal mit der Homöopathie versuchen: Zum Beispiel, weil es ihnen schwer fällt, einen Patienten, der nur leicht erkrankt ist, mit einem „das wird schon wieder“ und ansonsten leeren Händen nach Hause zu schicken.

      Die sogenannte Homöopathieforschung sehe ich aber tatsächlich höchst kritisch. Ja, das ist einerseits reine Geldverschwendung, vor allen Dingen in der Art und Weise, wie sie erfolgt. Wer eine Outcome-Studie nach der anderen vorlegt, der weicht der Placebofrage eigentlich nur aus.

      Andererseits wird dieser Eindruck der Wissenschaftlichkeit ganz gezielt erzeugt. Wenn man zum Beispiel die Website der Carstens Stiftung ansieht, dann steht da klipp und klar: „Das langfristige Ziel ist die Integration der Komplementärmedizin in Forschung und Lehre der Hochschulmedizin.“

      Also ganz unabhängig vom Ergebnis der Forschungsarbeit soll die Komplementärmedizin fester Bestandteil der Hochschullehre werden; es soll eine Generation Ärzte heranwachsen, die auf der Universität das Gedankengebäude der Homöopathie lernt – und prompt nur noch schwer als Placebo erkennt. Egal, ob die Forschung ergibt, dass es ein Placebo ist...

      Und das ist hochproblematisch. Denn das ist das Ende wirklich echter Wissenschaft: Die Naturwissenschaften leben seit Jahrhunderten davon, jede Aussage auf den Prüfstein zu legen und Falsches auszumustern.
      Nun wird uns über die Beliebtheit eines Verfahrens per Stiftungsarbeit und Politikerbeschluss vorgegeben, was weiterhin als Bestandteil der Hochschullehre zu gelten hat, ganz unabhängig davon, was die Naturwissenschaften über dieses Verfahren herausgefunden haben.

      Ja, die Homöopathie ist keineswegs so frei von höchst problematischer Lobbyarbeit, wie es die Patienten nur allzu gerne glauben.

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  9. Guten Tag,

    folgender Satz im ersten Kommentar hat mich an eine Doku erinnert die auf 3sat lief (und in der Mediathek zu sehen ist (http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=35076))

    "Ein Schüttler zuviel und man kann alles wegwerfen und muss wieder von vorne anfangen!"
    Nehmen wir das einmal für bare Münze. Die Potenzierungsstufe ist ja wichtig, schüttel ich zu viel oder zu wenig, habe ich nicht die gewünschte Potenz, das Mittel wäre also zu energetisch oder zu schwach und so würde es nicht wie gewollt wirken.
    Schauen wir nun die Doku. Hier wurde beim Homöopathiehersteller 'Similasan' gedreht. Dort ist zu hören bei 2:45min das sie sogar 12 mal schütteln um sicher zu gehen. Demnach hätten alle Mittel dieser Firma die falsche Potenz und wären nicht richtig wirksam. (Ich bin mir aber sicher die treue Kundschaft schwört auf deren Produkte und ihrer wirksamkeit)
    Wenn ich mich recht erinnere verlangt Hahnemann das das verschütteln gegen Leder zu erfolgen hat und die Schüttelrichtung gen Erdmittelpunkt. (Warum auch immer dieser Ritus sein muss) Gegen ein Lederkissen klopft der Hersteller. Aber wie bei 4:10min zu sehen ist gegen die Wand nicht zum Erdmittelpunkt. Ein weiterer Punkt warum die Mittel dieser Firma eigentlich nicht wirken können. Naja zumindest wenn wir die Homöopathie für bare Münze nehmen.

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    1. Danke. Nach wie vor einer der bestenTV Beiträge!

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  10. Jaein. Verdünnen tun sie die Arnica-Bestandteile tatsächlich. Aber die anderen Stoffe reichern sich nicht an, sondern würden je nachdach, was sie für Wasser verwenden. Anreichern im Verhältnis zum Arnica: ja, aber Die Konzentration von Fremdbestandteilen erhöht sich beim Potenzieren nicht, da man ja immer nur einen Tropfen der jeweileigen Potenz weiterverwendet, und diesen mit Wasser verdünnt, in dem die Fremdbestandteile eine ähnliche, oder gar gleiche Konzentration haben, wie im Tropfen.

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  11. Bin etwas spät dran, ich weiß. Aber warum erkannte keiner, dass anonym nur eine Parodie auf die üblichen Homöopathieverfechter verfasst hat?

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    1. Haha, weil er es eben so gut getroffen hat. Aber ich hatte einen verdacht, eben weil anonym sich so gut auskannte. Die meisten Homöopathen wissen ziemlich wenig von den Grundlagen ihrer eigenen Methode... Was jetzt die Gesamtlage nicht besser macht;-)

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  12. diese Problematik ist mein Lieblingsargument. Zuerst ist etwas nur eine Mischung/Verdünnung aus verschiedenen Stoffen. Dann schüttelt man, und plötzlich ist es ein "Heilmittel" in dem sich nur die gewünschte "Information" verstärkt? Magisch.
    Dazu gibt es ein nettes leider wenig bekanntes Video:

    https://www.youtube.com/watch?v=mOkWxw8L0go

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