Donnerstag, 2. Juli 2015

Hier kann diskutiert werden:

In einem Interview mit unserer Lokalzeitung, das heute erschienen ist, rufe ich die Homöopathen dazu auf, mit mir zu diskutieren. Dies kann gerne hier geschehen.

Ich bitte um sachliche Kommentare, die sich aufs Buch und nicht auf meine Person beziehen. Vielen Dank.


Kommentare:

  1. Sehr geehrte Frau Grams, auch ich habe mich oft gefragt, was Herrn Hahnemann so erfolgreich hat werden lassen. Ich denke, es war in erster Linie das Verdünnungsprinzip. Es war doch die Vorstellung der damaligen Medizin, daß ich als Arzt einem Kranken noch zusätzlich ein Gift appliziere, um "die Krise" herbeizuführen, sozusagen ein letztes Aufbäumen, in dem der Kranke dann beides zugleich überwinden sollte: die Giftwirkung und die Krankheit! Blieb die Krise aus, galt der Patient als verloren, aber gelegentlich (selten genug) hat diese Vorstellung funktioniert. Deshalb hat man einen Arzt nur gerufen, wenn die Situation einigermaßen hoffnungslos erschien: Er war teuer und am Ende war der Kranke fast stets tot. Hahnemann hat durch das Verdünnen der Gifte den Anteil der Überlebenden erhöht und machte auf diesem erfolgreichen Weg weiter, (er nannte das Verdünnen dann potenzieren), bis er (nach heutigem Wissen) "durchgeknallt" ist (mit den "Hochpotenz-Verdünnungen"). Das "simile-Prinzip" mutet nach heutigen Vorstellungen nachgerade modern an, bei den Hochpotenzen verlor es aber schließlich jeden Sinn - aber das mußte Hahnemann DAMALS noch nicht verstehen - die heutigen Homöopathen dagegen schon!

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  2. Absolut richtig, lieber Herr Scheuermann, genauso sehe ich das Problem auch. Zu seiner Zeit war Hannemann ein Vordenker und dafür können wir ihn auch heute noch ehren. Er ist allerdings in vielen Dingen vom Fortschritt der Wissenschaft überholt worden. Das gilt es bei der Beurteilung seiner Ideen heute miteinzubeziehen, wenn man über die Homöopathie nachdenkt. In diesem Sinne habe ich mein Buch auch geschrieben.

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  3. Sehr geehrte Frau Grams,
    danke für den tollen Blog.
    Gerne würde ich Ihnen eine Frage stellen:
    Wie sind sie persönlich zur Homöopathie gekommen? Oder allgemeiner, wie kann es passieren, daß Ärtzte überhaupt auf diesen krummen Pfad geraten?
    Ich kann mir einfach schwer vorstellen, wie man mit einer wissenschaftlichen Ausbildung, die im Falle eines Arztes ja auch Wissen über die Wirkungsweise von Medikamenten enthalten sollte, die Homöopathie ernst nehmen kann.

    Thomas Loos

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  4. Lieber Herr Loos. Gerne beantworte ich Ihre Frage, allerdings nicht ohne eine gewisse Beschämtheit, die wohl auch gemäß ist.
    Mich hat mit zunehmen klinischer Tätigkeit der Umgang mit Patienten (=Menschen) sehr schockiert und ich habe nach Wegen gesucht, mich dem Menschen hinter dem Patienten mehr nähern zu können. Ich hatte auch einen schweren Autounfall und eine PTBS und meinte die Erfahrung gemacht zu haben (ja, da ist es wieder;-)), dass mir dabei die Homöopathie, ich sollte besser sagen eine Homöopathin, helfen konnte, die mir zuhörte (und mich anschließend übrigens und der vollen Wahrheit halber, an einen Psychologen "überwies"). Ich stellte also den Zusammenhang her: Aha, die Homöopathie ist die Ursache, dass es mir besser geht. DAS will ich auch lernen. Ich glaube, ich hätte mein Studium ohne diese Zusatzausbildung nicht fertig gemacht, da ich nicht so arbeiten wollte als Arzt, wie ich es oft in der Klinik erleben musste.
    So also wähnte ich mich in der Homöopathie am rechten Platz. Und glaubte mich durch meine "Heilerfolge" bestätigt. Ich stellte mich auf den "pragmatischen" Standpunkt: Ich muss nicht wissen, WIE es funktioniert, solange ich SEHE, dass es funktioniert. Ich war dann natürlich va. in homöopathischen Kreisen unterwegs und habe den "Binnenkonsens" goutiert...
    Erst durch meine Nachforschungen zum Buch wurde mir klar, dass das innerhalb der Medizin ein unzulässiger Standpunkt ist. Ich habe erst dann verstanden, was Kausalität bedeutet. Und viele weitere Notwendigkeiten.
    Sie sehen ja, wohin das geführt hat;-)

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  5. Vielen Dank für die ehrliche Antwort. Bitte erlauben Sie mir aber noch einmal nachzuhacken.
    Ich möchte die Frage nocheinmal präzisieren: Wie kann sowas einer Medizinerin passieren. Wenn Lieschen Müller nach einer Überdosis Goldener Blätter und Selbstweiterbildung auf der Youtube Universität an Homöopathie glaubt, finde ich das zwar nicht toll, kann es aber nachvollziehen.
    Als Mediziner könnte Ihnen aber doch von Anfang an klar gewsen sein, daß Homöopathie Humug ist. Bitte verstehen sie das nicht als persönlichen Vorwurf. Vielmehr würde ich als Nichtmediziner vermuten, daß während des Studiums/ der Ausbildung erläutert wird wie und warum Medikament wirken. Und falls dem so ist, wie kann der Widerspruch aufgelöst oder ignoriert werden?

    Thomas Loos

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  6. Ja, lieber Herr Loos, die Frage ist erlaubt und ich stelle sie mir auch immer wieder. Sehen Sie ich hatte sogar Chemie als Leistungskurs im Abi und hätte es definitiv besser wissen müssen. Vielleicht ist das der Punkt: es ging nicht ums Wissen. Es ging ums Gefühl. Die Homöopathie (und TCM hab ich auch mal gemacht) fühlt sich gut an. Glitzernd, warm, heimelig. Dieses - ich nenne es jetzt mal - "Wer mehr fühlt, hat mehr Recht", hat eine gewisse Attraktivität, derer ich mich nicht erwehren konnte und vielleicht auch nicht wollte, eben weil sie sich so kuschelig anfühlt. Und dann trifft man auf viele nette andere Homöopathen und nette Patienten und alle fühlen sich wohl miteinander und es tritt so ein gewisses "Wir gegen den kalten Rest da draußen" -Gefühl auf.
    Ich bezeichne mich manchmal als "cleane Homöopathin", denn im Nachhinein hat es etwas von einer Sucht: Logisch WEISS man, dass Drogen nix sind, aber irgendwie macht man es trotzdem. Sozusagen wider besseren Wissens.
    Dazu kommen vermeintlich gute Erfahrungen mit der "Alternativmedizin" und ein erlebtes schlechtes Gefühl in der normalen Medizin.
    Deshalb glaube ich auch, dass die Homöopathen und va die Patienten beim Gefühl gepackt werden müssen. Argumente sind gut und absolut wichtig, aber erreichen tut man die meisten Menschen übers Gefühl.
    Und was das Studium angeht: das Medizinstudium ist ein großes Gepauke, als ich studierte noch kaum mit praktischem Bezug zum Patienten und der klinische Alltag ist hart. Gerade deshalb spielte die Sehnsucht nach einer Alternative dazu eine große Rolle beim Nicht-Wissen-Wollen.

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    1. Anonym hat gesagt...
      Liebe Kollegin Grams, wenn Sie im Studium aufgepasst hätten und nicht nur das "große Gepauke" veranstaltet, hätten Sie z.B. die Frage stellen können: "Wie kommt das Blut vom kleinen Zeh zurück zum Herzen?" Denn am Ende der Kapillaren herrscht eine Blutdruck von Null, wie solllte es auch anders sein, nach dem Gequetsche durch die engen Kapillaren. und dann mehr als 1 Meter gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen? Ohne vis a tergo? Ich stelllte diese Frage einem Kollegen in der Physiologie und er meinte: "Wenn Sie DAS Problem lösen, sind Sie reif für einen Nobel-Preis!" Ich habe das Problem nicht gelöst, weil mir auch die Zeit und die Lust dazu fehlte und ich lieber meinen Beruf in einer Landpraxis ausüben wollte, was ich dann auch 50 Jahre getan habe und immer noch nicht aufgehört habe, wie z.B. Sie schon in jungen Jahren. Ich habe zwar nicht so illustres Publikum, wie Sie im schönen Heidelberg gehabt haben, aber bin doch manchem hilfreich gewesen, obwohl ich bei der Homöopathie geblieben bin. Zweifel an ihrer Wirksamkeit habe auch ich immer wieder, wenn es gar nicht voran gehen will. Aber meistens war meine Beobachtung und Wahrnehmung nicht ausreichend, und wenn die dann auf den Punkt kam, auf den es ankommt, dann halfen die unwirksamen Globuli auch immer ersaunlich gut. Gefühle spielen da einen sekundäre Rolle, der klare Blick und der wache Verstand sind das Wichtigste. Verstand kommt von "Verstehen". Wenn ich mit meinem Verstand meine Patienetne richtig verstanden habe, dann habe ich ihnen auch immer helfen können, und zwar eindeutig nur nach Verabreichung des "ähnlichen" Mittels. Dass mir beim Verständnis der Wirkungsweise der homöopathischen Globuli mein "angepauktes" Wissen aus dem Studium nichts helfen würde, habe ich früh begriffen. Um das zu verstehen, müssen wir unser Wahrnehmungsvermögen durch Weiterentwicklung des Denkens erweitern, dann gehen uns die Lichter auf, die dazu nötig sind.
      Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrem Bucherfolg und Ihren Interviews im Stern und ähnlichen Postillen. War die Bildzeitung auch schon bei Ihnen? Und das herrliche, der reinen Wahrheit dienende Fernsehen? Der Narayana-Verlag peist Ihr Buch ja auch an, dann kann ja nichts mehr schief gehen und Sie können richtig stolz dreinblicken, wie auf dem zu sehenden Portrait!
      Mit herzlichen, kollegialen Grüßen
      Ihr Gerhardus Lang, Bad Boll, praktischer Arzt und Geburtshelfer

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    2. Lieber Gerhardus Lang,
      was unsere Blutkreislauf mit der Homöopathie zu tun hat, erschließt sich mir jetzt nicht, aber ich darf darauf hinweisen, dass Sie an jedem Springbrunnen sehen können, wie das Prinzip einer Pumpe funktioniert und wie folglich auch das Blut zurück ins Herz kommt. Der Druck der linken Herzkammer pumpt das Blut nach unten, der Unterdruck der rechten Kammer zieht es nach oben und die Venenklappen verhindern das Wiederabsinken. Wo kann ich den Nobelpreis abholen?

      Meine Patienten verstehe ich auch gerne, brauche dazu aber nicht die Homöopathie und ihrer hoffnungslos veralterte Theorie. Beste Grüße und weiterhin viel Freude beim Neidischsein, ja?
      LG NG

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  7. Vielen Dank :-)

    Thomas Loos

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  8. Nachtrag: ich habe vielleicht falsche Begrifflichkeiten gewählt. Mehr als um Gefühl versus Verstand geht es wohl um das intuitive automatische (Nichtnach)Denken versus das rationale, mühsame, komplexe Denken...

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  9. Erfahrungsbericht aus einer "alternativmedizinischen Praxis":

    http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2012/02/08/insider-bericht/

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  10. Liebe Frau Grams,
    danke, danke für Ihr großartiges Buch! Erst jetzt komme ich dazu, es zu lesen und bin begeistert!
    Eine kurze Frage - wußte Hahnemann tatsächlich nichts vom Blutkreislauf? Immerhin ist der doch schon 1628 von William Harvey entdeckt worden.
    Mein Teelöffelchen Senf zur Diskussion - ich habe mich mit der Homöopathie nie anfreunden können und kann trotzdem gut nachvollziehen, was Sie schreiben. Als Arzt, der onkologisch tätig ist, habe ich sehr viel mit Studien, Leitlinien und exakten Behandlungsprotokollen zu tun. Dennoch sehe ich Medizin zunächst einmal nicht als Heilkunst und nicht nur als Naturwissenschaft alleine. Denn es geht um Ethos, Empathie, es wird oft genug auch Intuition benötigt. All das findet sich in hohem Maße in der Homöopathie. Tatsächlich bleibt zu hoffen, daß sich das Gute aus der Homöopathie, nämlich der spezielle Umgang mit dem Patienten, und das Gute der konventionellen Medizin, nämlich die wissenschaftliche Exaktheit miteinander verbinden lassen.
    Zu guter Letzt etwas zum Lachen, recht britisch: https://www.youtube.com/watch?v=Uvvp2lYz1J8. Viel Spaß...

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    1. Lieber borstel, danke für Kommentar, Lob und Link :-)
      Nach meiner Recherche kannte Hahnemann den Blutkreislauf noch nicht. Er fließt auch in sein Werk und Denken nirgends ein. Möglicherweise war Wissen zur damaligen Zeit jedoch nicht so weit verbreitet, wie das heute möglich ist (oder im besten Fall möglich wäre). Wobei Hahnemann als Übersetzer zahlreicher medizinischer Texte wohl einen ganz guten Überblick über das alte Wissen hatte, da hat ihn das neue (ausserhalb seiner Homöopathie) vielleicht auch einfach nicht so interessiert. Ganz sicher weiß ich es nicht.
      Und natürlich ist Medizin auch Heilkunst. Wenn jedoch, wie bei der Homöopathie etwas zur Kunst erklärt wird, das es a) gar nicht gibt und das b) nicht mehr und nicht weniger als "gute Medizin" ist, dann spricht das nicht für die Legitimation der Methode per se.
      LG

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