Freitag, 24. Juli 2015

Über die Information in den Globuli

Es sei ja völlig klar, dass in den Gobuli keine materiellen und arzneilich-physiologischen Wirkstoffe drin seien, schreiben mir Homöopathen - es ginge ja vielmehr um die Information. Stimmt! Die Globuli tragen in der Tat eine bedeutungsvolle Information.
Allerdings keine, wie sie von den Homöopathen angenommen wird. Die Entstehung einer Information durch das Schütteln eines Gemisches, das aus der Ursprungssubstanz in nahezu unendlicher Verdünnung plus diversen Wasserbeimischungen und Fremdstoffen (Staub, Pollen, etc.) besteht, kann keine Information hervorzaubern - so sehr wir Homöopathen uns dies auch wünschen mögen.
Dennoch sind die Globuli Träger einer Information. Sie suggerieren dem Patienten - und dies wird durch die Überzeugung, mit der der Homöopath sie dem Patienten darbietet, verstärkt - "ich werde Dir helfen". Mehr noch, durch die individuelle Herausarbeitung der spezifischen Beschwerdekonstellation durch die homöopathische Anamnese, kann sogar die Bedeutung "ich werde DIR bei DEINEN Beschwerden helfen" transportiert werden. Ich habe dies im Buch genauer ausgeführt und spreche dort von einer individuellen Auto-Suggestion. Die durchaus eine physiologische Wirkung haben kann. Allerdings habe ich dort auch erklärt, warum diese Wirkung genau der eines Placebos ("ich werde gefallen") entspricht. Etwas anderes stellen auch alle bisher (gut) durchgeführten Studien nicht - die Wirkung der Globuli und die Wirkung eines Placebos ist die gleiche.
Wenn wir uns also weitere Gedanken über die Homöopathie und ihre Wirkung machen wollen, dann bleibt uns allenfalls dieser Aspekt übrig: die Placebo-Wirkung der Globuli weiter zu untersuchen. Denn, welche großen Effekte Placebos haben können, das erleben viele Patienten und Homöopathen ja am eigenen Leib und schwören seither auf die Homöopathie. Was aber nicht den Umkehrschluss zulässt, die Homöopathie habe eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung oder die Globuli trügen tatsächlich die von Hahnemann vor 200 Jahren postulierte "dynamische Heilenergie".

Kommentare:

  1. Solange kein Wirksamkeits-Nachweis der Homöopathie - welcher eindeutig nachweisbar über die Placebo-Wirkung hinausgeht - erbracht wurde, hat es keinen Sinn über die Möglichkeiten nachzudenken, wie und auf welche Art denn nun die Homöopathie wirken könnte. ERST den Nachweis bringen, dass da wirklich ein "Mehr" da ist (und das beliebig oft reproduzierbar), DANN hat es auch Sinn sich über das "Wie" Gedanken zu machen. Alles andere ist meiner Meinung Vergeudung von Resourcen.

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    1. Lieber Herr Simmer. Ich stimme gerne zu und schlage im Buch deshalb auch nur Studien zum therapeutischen Settting vor (im Vergleich zB zu einem psychotherapeutisch etablierten Verfahren). Wenn denn überhaupt noch Studien zur Homöopathie gemacht werden sollen..
      Kennen Sie den Begriff der Scientabilität, den Weymayr und Heißmann (mit)geprägt haben?

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    2. Liebe Frau Grams. Das Buch von Weymayr und Heißmann habe ich gelesen und mir gefällt die neutrale Herangehensweise, die sich durch das Buch zieht. Auch der Begriff der Scientabilität ist mir als Physiker geläufig. Welche weiteren Bücher mir im Zusammenhang mit skeptischem Denken sehr gut gefallen, sind "Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine" von Christoph Bördlein und natürlich "Der Drache in meiner Garage" von Carl Sagan. Sehr empfehlenswert, aber ich schweife ab. Aus dieser Literatur habe ich allerdings auch 3 Spielregeln für Skeptiker (Bördlein), die sehr viel auf das Wesentliche zusammenfassen.
      1. Die Beweispflicht liegt beim Behauptenden
      2. Außergewöhnliche Behauptungen verlangen außergewöhnliche Beweise
      3. Unterscheide Allaussagen und Existenzaussagen.
      Ausgestattet mit dem Verständnis dieser Regeln wurde es für mich um einiges leichter in den sich ergebenden (teils sehr emotionalen) Diskussionen (von denen sie ja auch berichten) sachlich zu bleiben. Und das ist nicht nur auf die Homöopathie, sondern insgesamt bei Bedarf auf die so genannten alternativen "Methoden" anzuwenden.
      Zu der versteckten Frage von ihnen, ob denn überhaupt noch Studien zur H. gemacht werden sollen, wäre das meiner Meinung nach wieder Verschwendung von Resourcen. Kurzfristig hätte ich über ein Setting mit 3 Gruppen nachgedacht, eine mit einem richtigen medizinischem Präparat, eine mit Placebo und eine mit dem dementsprechendem homöopathischem Mittel. Mit der Idee, dass sich Placebo und Hom. kaum voneinander unterscheiden dürften und das medizinische Präparat sich deutlich abheben würde. Aber das Ergebnis wäre wie so oft das gleiche. Über die Individualität hätte hier die Hom. von ihrer Seite aus genügend Argumentationsspielraum und zusätzlich würde Voreingenommenheit ins Spiel gebracht werden, da ja das Setting vom Goldstandard abweicht.
      Bevor ich mich jetzt aber noch richtig in Fahrt schreibe, werde ich jetzt hier abbrechen. Ich brauche ihnen ja nichts mehr berichten, was sie ohnehin schon wissen. Ihr Buch habe ich bis jetzt noch nicht gelesen, verfolge aber mit Freude ihren Blog, in dem ja schon sehr viel auf das Buch verwiesen wird.

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