Mittwoch, 12. August 2015

Warum die Homöopathie auch in Zukunft nicht bewiesen werden wird

Als ich noch Homöopathin war, dachte ich wohl ähnlich oft, wie ich es nun zu hören bekomme: "Die Wirkung der Homöopathie ist einfach noch nicht klar, aber sie wird in Zukunft bestimmt bewiesen werden. Noch haben wir dieses Wissen nicht, aber das ist nur eine Frage der Zeit." Doch bei einer solchen Annahme vergessen wir drei wichtige Punkte:


  1. Das "Geistartige" gibt es nicht: Hahnemann postulierte, dass seine Medikamente über etwas "geistartiges" wirken sollen - und zwar sowohl im Medikament, als auch im Körper (= Lebenskraft). Damals war das eine Annahme, die gar nicht so unüblich war. Man dachte viel magischer und erklärte sich damit bislang Unerklärliches. Heute wissen wir aber, dass es in der Natur nur natürliche Phänomene gibt. Selbst wenn wir noch nicht alles wissen und vielleicht niemals alles wissen und erklären können, so wissen wir doch bereits jetzt, dass es nichts Un- oder Übernatürliches gibt. Damit fällt also Hahnemanns Idee des Geistartigen weg und wird auch nie bewiesen werden (Wer nun aber innerlich aufschreit und sagt: Hexen, Engel und Aura gibt es doch auch, der sollte bitte nochmal bei 1. anfangen zu lesen). Selbstverständlich haben viele Menschen Sehnsucht nach solchen übernatürlichen Vorstellungen und dagegen ist auch nichts zu sagen, solange sie diese nicht zur Grundlage der Medizin erklären wollen. Der Arzt und Komiker Eckhard von Hirschhausen trifft es da wohl ganz gut mit seiner Aussage: "Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus uns Menschen."
  2. Das Potenzieren ist und bleibt eine Verdünnung und sonst nichts: Hahnemanns Idee, mittels des genau beschriebenen Verdünnungs- und Schüttelvorgangs bei der Potenzierung aus dem materiellen Ursprungsstoff etwas "Wesenhaftes" herauszuarbeiten, ist widerlegt. Zwar lässt sich während des Schüttelns das Wasser durchaus kurz "mobilisieren", aber es beruhigt sich sofort wieder, wenn es steht. Es kann keine Energie hineingeschüttet werden, die darin bleibt. Es kann zwar (kurzfristig) eine Energieübertragung stattfinden, dies ist jedoch keinesfalls gleichbedeutend mit der Übertragung einer Information. Im Gegenteil, Energiezufuhr führt nur allzu leicht zur Zerstörung von Information. Man denke nur an einen deutlich sichtbar geordneten Eiskristall, der bei Wärmezufuhr schmilzt und dadurch seine Ordnungsstruktur verliert. Letztlich ist für die Homöopathie aber, so schön der Energiebegriff auch klingt, gar nicht wichtig, ob die beim Schütteln zugeführte Energie im Wasser bleiben könnte oder nicht. Denn wenn überhaupt, wäre die zugeführte Energie ja aus dem Schüttelvorgang, nicht aus der "Wirksubstanz" entstanden. Man kriegt also mit einem doch recht grobmotorischem Schüttelvorgang keine wirkstoffabhängige Information auf das Wasser übertragen. Es kann also keine spezifische Energie (der Ursprungssubstanz) auf das Wasser übergehen. Die Wassermoleküle können keine Energieniveaus des Wirkstoffes übernehmen, egal, wie sehr man schüttelt. Das kann Wasser einfach nicht, weil es die anderen Energieniveaus gar nicht besitzt. Und Cluster von Wassermolekülen halten sich bei Zimmertemperatur nur wenige Sekundenbruchteile - und bestimmt nicht besser, wenn man auch noch schüttelt. Ganz sicher ist auch die Quantenphysik hier keine Lösung (nein, auch die weak quantum Theorie nicht)! Fragen Sie dazu gerne einen Physiker. Und: Allein die Verdünnung eines homöopathischen Medikaments ab D6 ist zu groß, um eine physiologische Wirkung entfalten zu können. Spätestens ab einer Potenz D23 (1:10 hoch 23 = 1:100000000000000000000000) macht das weitere Potenzieren gar keinen Sinn mehr, da sich quasi kein einziges Molekül der Ursprungssubstanz mehr darin befindet. Es wird ab D23 also nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel verschüttelt. Dies erklärt sich durch die Avogadro Konstante. Etwas, das nicht mehr vorhanden ist, wirkt auch nicht. Auch in Zukunft nicht.
  3. Das Prinzip der Ähnlichkeit hat sich nicht bestätigt. Während Hahnemann noch ein Kind seiner Zeit war, in der man dachte, Nierenleiden mit Bohnen behandeln zu können oder Gehirnerkrankungen mit Walnüssen, können wir dies heute nicht bestätigen. Zwar wissen wir nun, dass z.B. die Fettsäuren der Walnüsse durchaus für den Gehirnstoffwechsel günstig sind, doch hat dies sicherlich nichts mit der Form der Nüsse zu tun und ganz bestimmt nicht mit dem Prinzip, das Hahnemann meinte nutzen zu können. Auch die Impfungen, die gerne angeführt werden (seltsamerweise meist von Impf-Gegnern, nach meiner jüngsten Erfahrung), wirken nicht nach Hahnemanns Prinzip. Erstens werden sie in physiologisch relevanten Dosen verabreicht und zweitens handelt es sich nicht um Ähnliches, sondern um Gleiches. Zwar werden die Erreger z.B. leicht verändert, bleiben aber das Gleiche, gegen das der Körper sich später wehren können soll. Das Ähnlichkeitsprinzip ist eher eine uns Menschen naheliegende Vorstellung und schön eindrücklich. Deshalb stimmt es aber noch lange nicht. 
Selbst wenn alle diese Punkte mit einer winzigstmöglichen Wahrscheinlichkeit noch durch neues Wissen widerlegt werden sollten, wissen wir auch heute schon sicher: ein wiederholbares Phänomen einer wirksamen Homöopathie (über einen Placebo Effekt hinaus) ist nicht gefunden worden. Unter zig Studien gibts es zwar allein aus statistischen Verteilungsgründen auch mal ein paar mit positivem Ergebnis. Allerdings sind diese Effekte vor allem bei sehr bis mittel schlechten Studien aufgetreten und meistens sehr klein. Je besser die Studien, umso weniger Erfolg. Lesen Sie hierzu gerne mehr auf: www.beweisaufnahme-homoeopathie.de

Was also wirkt an der Homöopathie, das sind vermutlich psychologische Effekte (z.B. "Selbsterkenntnis") analog einer Gesprächstherapie und Placebo-Effekte des therapeutischen Settings und der Globuli (als Träger einer Autosuggestion). Das ist viel. Aber das bestätigt die Homöopathie nicht als Arzneitherapie.

Es fällt nicht leicht, diese Punkte wirklich zu begreifen. Sie sind zwar an sich nicht schwer zu verstehen, es ist beinahe banal, aber es fällt unendlich schwer, vermeintlich Sicheres zu hinterfragen, neu einzuordnen und noch viel mehr: es loszulassen. Ich wünsche Ihnen weniger harte Stunden als mir, und dennoch die Erkenntnis: die Homöopathie ist widerlegt und kann auch in Zukunft nicht bewiesen werden.




PS. Die Links verstehe ich als einen ersten Schritt, leicht zugängliche und gut lesbare Quellen aufzuspüren und sich ggfs. weiter zu informieren. Sie sind nicht der wissenschaftliche Beweis meines Schreibens, sondern dienen als Anregung zur weiteren Auseinandersetzung mit den Thema.
Danke an Herrn und Frau Parsch für die erneute Erklärung der physikalischen Grundlagen.

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