Donnerstag, 24. September 2015

Der DZVhÄ versucht zu tricksen - warum wohl?

Lieber DZVhÄ, 
mir ist zugetragen worden, dass Sie Ihre Rezension meines Buchs verändert haben. Statt Ihrer ursprünglichen Aussage "die Homöopathie widerspricht den heutigen Erkenntnissen der Naturwissenschaft", steht nun da: "die Homöopathie widerspricht den heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der konventionellen Pharmakologie". Nicht weiter schlimm, könnte man denken, sind ja nur drei Worte mehr. Doch die Veränderung, die Sie vorgenommen haben, bestürzt mich über die Maßen.
Denn offensichtlich ist Ihnen durchaus aufgefallen, dass die Homöopathie den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht. Statt nun aber einzusehen, dass sie damit als Arzneitherapie undenkbar und leider auch obsolet ist, erlauben Sie sich eine Art Trick. Sie widerspräche "nur" den Erkenntnissen der aktuellen Pharmakologie. Das tut die Homöopathie in der Tat, das ist aber nicht ihr eigentliches Problem. Denn im Gegensatz zu basalen Gesetzen der Naturwissenschaft ist es in der Pharmakologie ja durchaus möglich, dass wir in 20 Jahren etwas anderes wissen. Individuelle Medikation, Genmedizin, neue Wirkstoffe oder -weisen sind denkbar und erwünscht. Auch solche, die damit zu tun haben, was im Körper passiert, wenn Dosierungen sehr klein sind ("Hormesis", z.B. Gabe von giftigem Digitalis zu therapeutischen Zwecken in kleiner Dosierung). Doch keine dieser noch zu erforschenden Wirkweisen und Erfindungen wird jemals den basal gültigen Gesetzen der Naturwissenschaft widersprechen können. Konkret spreche ich von der Tatsache, dass etwa ein Stoff in Abwesenheit wirksam sein solle oder dass durch das Verschütteln Energie übertragbar wäre. Darum geht es in meinem Buch.
In Ihrer ersten Version der Rezension, haben Sie zugegeben (aber nicht zu Ende gedacht), dass es deswegen aus ist mit der Homöopathie als Arzneitherapie.
In Ihrer aktuellen Version haben Sie nun den Versuch gemacht, dieser Tatsache nicht ins Auge zu sehen und den Schauplatz hin zu einem weniger drastischen zu verschieben. 
Ich bin wirklich bestürzt. 
Statt an dieser Stelle ehrlich die Augen zu öffnen und der bitteren Erkenntnis stattzugeben, werden Sie weiterhin mit einer Art (verzeihen Sie den Ausdruck) Patientenverarschung weitermachen.
Das finde ich krass. Immerhin sind Sie wie ich alle Ärzte und damit Akademiker (!) und durchaus in der Lage, diesen kleinen aber entscheidenden Unterschied und seine Dimension zu erkennen.
Warum haben Sie das getan?
Mit bestem Gruß,
Ihre Natalie Grams


Anbei die Screenshots der aktuellen und alten Version:






Zur ursprünglichen Antwort auf die Rezension und zum Link zur Rezension geht es hier.

Kommentare:

  1. Viele Patienten kommen in die Fänge der CAM, weil sie als "vergiftet" gelten. Daher meine Forderung: Verzicht auf Amalgam als Zahnfüllmaterial

    http://www.dr-bertelsen.de/documents/ZEFQ_1540.pdf

    Kein Amalgam - Weniger Scharlatanerie:

    http://www.dr-bertelsen.de/documents/ZM_19_2015_Amalgam-Scharlatanerie.pdf

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    1. Möglicherweise eine von vielen Eintrittspforten...

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  2. Antwort des DZVhÄ:

    Sehr geehrte Frau Grams,

    die Homöopathie ist weder als Arzneitherapie undenkbar, noch obsolet. Sie haben in der Aussage „heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen“ die durchaus wichtige Angabe „heutigen“ offenbar nicht verstanden oder absichtlich missverstanden. – Um solchen Missverständnissen in Zukunft vorzubeugen, haben wir die Stelle konkreter formuliert.
    Ihre Antwort zeigt, dass uns dies gelungen ist und Sie verstanden haben.


    --
    Liebe Grüße aus Berlin Mitte
    Björn Bendig M.A.
    Redakteur

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    1. Lieber Herr Bendig,
      naja, ich habe schon verstanden, aber können Sie das gleiche auch von sich behaupten?
      http://homoeopathie-neu-gedacht.blogspot.de/2015/08/warum-die-homoopathie-auch-in-zukunft.html
      LG
      Natalie Grams

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  3. Unfassbar diese Borniertheit, und das, wie Sie schon gesagt haben, von Akademikern! Genausogut könnten die von Feenstaub und Geistheilung reden. Für rational denkende Menschen wie mich ist es ein Gräuel, mitansehen zu müssen, wie Ressourcen wie Zeit, Arbeit, (Steuer!)Geld und guter Glaube an solchen an den Haaren herbeigezogenen Hokus-Pokus vergeudet wird. Nur weiter so!
    PS: zuversichtlich bin ich nicht. Pseudowissenschaft und Aberglaube scheinen wieder auf dem Vormarsch zu sein. Letztens hatte ich in einem Dorfbus eine "Diskussion" mit einigen Frauen bezügl Diäten, die tatsächlich der Meinung waren, Obst enthielte keine Kohlehydrate - und Chemie schon gar nicht. Und es gibt dann auch noch die Bewegung der Impfgegner, die wissenschaftliche Erkenntnisse offenbar nur als grobe Empfehlung verstehen. Ich finde das bedenklich.

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    1. Die absolute Resistenz gegen Argumente macht mich auch ganz fassungslos :-(
      Gut, hab ich mich auch viel zu lange nicht drum gekümmert, welche Argumente dagegen es gibt, aber die kümmern sich seit Jahren und ganz offiziell darum, das kann ich echt nicht in meinen Kopf kriegen...

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  4. Selbst wenn es eine spezifische Wirkung gäbe, die nachzuweisen wir nicht imstande wären, so wäre es doch verantwortungsloser Wahnsinn, das entsprechende Mittel auf eine bloße Vermutung - denn mehr ist es nicht (egal ob an dieser Stelle ein "derzeit" eingefügt wird) - gestützt als Arzneitherapie zu verordnen. "Nehmen Sie diese Arznei. Ich verstehe zwar nicht endgültig, wie sie funktioniert und kann ihre Wirkungsweise nicht schlüssig erklären, außerdem ist sie gelinde gesagt umstritten - ich gebe zu, psychosomatische Effekte könnten eine Rolle spielen - aber sie wird ihnen helfen."

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    1. Nicht ganz. Denn manche Medikamente (zB einige Narkotika) sind derzeit auch nicht komplett entschlüsselt, was ihren Wirkmechanismus betrifft. Doch da kann man - im krasse Gegensatz zur Hp - immer wieder nachwiesen, dass es reproduzierbar ist. Eindeutig und unabhängig. Und natürlich wird dort auch keine ominöse Energie für die Wirkung verantwortlich gemacht!

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  5. Guten Morgen,

    "Stampfen Sie jeden Morgen vor dem Frühstück eine Ihrer Lieblingsgedanken ein,
    das hält jung." empfiehlt Konrad Lorenz (in "Das sogenannte Böse").

    Offensichtlich haben Sie das Zeug dazu. Gratuliere.

    (Bis dahin könnte man den Zungenschlag ambig empfinden. Sarkastisch oder ernsthaft. ;-)
    Nun, ich meine es ernsthaft.)

    Vor einigen Monaten landete Ihr Buch (besser: die Ankündigung Ihres Buches) als
    Empfehlung des Springer-Verlages in meiner Mail.
    Von da gelangte es auf meine Merkliste.
    Nicht dass die Inhalte zur Homöopathie für mich irgendeinen Neuigkeitswert aben.
    Aber die psychischen Prozesse, die zur Abkehr von Glaubensgewissheiten führen sind stets (hoch-) interessant.

    Ein reflexhaft an dieser Stelle geäußertes Mantra könnte nun lauten:
    Glauben wir nicht alle an etwas, was wir nicht hinterfragen?

    Tun wir. Aber, und darin liegt der Unterschied zwischen Rationalität und Obskurantismus,
    wir formulieren den Glauben so, dass er falsifizierbar ist.
    Damit wir da nicht im Abstrakten bleiben, ein einfaches und zentrales Beispiel:
    Wir glauben an die Erhaltung der Energie.
    Wir können diesen Glauben sogar zurückführen auf eine grundlegende
    Symmetrieanforderung der (phys.) Realität (nämlich der Homogenität der Zeit).

    DIESER Galube wurde und wird immer wieder bestätigt.

    Im Verhalten des Naturwissenschaftlers finden wir also durchaus "dogmatisches".
    Dogmatisch in dem Sinne, dass sie es ablehnen, sich auf gewisse Diskussionen
    (etwa über die eines Perpetuum mobiles) überhaupt einzulassen.

    Der Unterschied zum "echten" Dogma: Sie tun dies nicht aus Respekt oder Erfurcht vor Autoritäten oder heiligen Büchern. D.h. sie betreiben keine "Zitatologie".

    Und wenn sie sich geirrt haben sollten? Dann haben wir uns eben geirrt.
    Dann aber aufgrund eines reproduzierbaren Experimentes
    (und nicht aufgrund einer "innovativen Reinterpretation" ehrwürdiger Schriften.)

    Kommen wir damit endlich zur Homöopathie.

    Wenn mich also jemand fragte: "Was hältst du von der Homöopathie."
    so würde ich antworten: "Sie ist ein Irrtum?" und wenn weiter gefragt würde "Warum?"
    dann gäbe ich zur Antwort: "Weil sie nicht in mein Weltbild passt."
    Vielleicht käme dann der erste Angriff:
    "Das klingt aber stark nach einer Hybris, wenn du aufgrund deines(!) Weltbildes
    die Homöopathie für einen objektiven(!) Irrtum hältst."

    Meine Antwort: "Wir wissen genug, um das hypothetische Restrisiko eines
    Irrtums einzugehen. So wie wir in einem Strafgerichtsverfahren uns auf
    die Erkenntnisse einer Genanalyse verlassen, um einen Verdächtigen zu harten Strafen
    zu verurteilen, verlasse ich mich ganz analog auf die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, um die Homöopathie zu verurteilen."

    Kommen wir zum Abschluss: Könnte es aber nicht doch Bereiche geben, die unserer derzeitigen Physik nicht zugfänglich sind. Ja. Könnte. Ich kann mir das sogar gut vorstellen. Aber es hätte keine Auswirkungen auf unser Thema.
    So wie die Erweiterungen der klassichen Physik
    (hin zur Quantenmechanik oder Realtivitätsheorie) keine Änderungen
    unserer Alltagsverhaltens zur Folge hatten (die alten Gleichungen könne nach wie
    vor mit Erfolg angewendet werden), so wird eine hypothetisch erweiterte Physik
    die Therapieformen unserer Krankheiten nicht revolutionieren.

    Blicke ich jetzt kurz zurück, darf ich feststellen: ist ein bischen lang geraten, mein Beitrag.
    Aber vielleicht findet er ja die passenden "Rezeptoren".

    MfG H.-J. S.

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