Samstag, 10. Oktober 2015

Ist die "Schulmedizin" schuld an der Homöopathie?

Die Homöopathie hilft vielen Menschen, obwohl doch den meisten klar sein müsste, dass sie nicht wirken kann - theoretisch. Praktisch jedoch sieht es anders aus. Da vertrauen (sich) unzählige Menschen der Homöopathie (an). Wieso vertrauen sie einer nachweislich nicht (über einen Placebo-Effekt hinaus) wirksamen Methode? Warum vertrauen sie ihrem Homöopathen, mitunter auch ihrem Heilpraktiker, der quasi über keine medizinische Vorbildung verfügt, mehr, als ihrem Hausarzt/einem Facharzt/der ganzen Ärzteschaft/unserem Gesundheitssytem? Was macht die Medizin falsch, dass ihr die Menschen in Scharen zu "Alternativen" davon laufen?
Ich bin darauf auch im Buch eingegangen und es ist vielleicht mein größter Kritikpunkt an der normalen Medizin: Sie mag über großes Wissen und über Wissenschaftlichkeit verfügen - aber sie kommt damit beim Patienten, beim Menschen in Not, nicht wirklich an. "Schul"Medizin wird sie genannt, abfällig und abwertend. Wohl in der Schule sitzen geblieben, was? Darüber kann man sich aufregen. Man kann darin aber auch einen Anlass sehen, sich an die eigene Nase zu fassen. Was bieten wir unseren Patienten in der normalen Medizin? Wissen. Studien. Wirksamkeit. Evidenz. Aber bieten wir ihnen auch die menschliche Behandlung, nach der sie sich sehnen? Ich meine, leider viel zu selten. Und damit macht die normale Medizin sich schuldig. Nicht in einem moralischen Sinne, aber in einem verursachenden. Sie ist selbst mit schuld daran, dass ihre Patienten sich überhaupt nach einer Alternative sehnen. Einer Alternative, bei der sie in Kauf nehmen, dass nicht Wirksamkeit an erster Stelle steht, sondern (vermeintlich) Menschlichkeit.

Auch die Wissenschaft hinter der "Schul"Medizin hat es geschafft, irgendwie so abstrakt zu erscheinen, dass viele Menschen meinen, sie sei für uns nicht wirklich zuständig. Sie wird nicht als hilfreich und als an unserer Gesundheit interessiert wahrgenommen, sondern als fast schon bösartiges Weltbild, das uns schaden möchte oder das zumindest die wirklich wichtigen Dinge nicht kapiert hat. Steif, steril, weltabgewandt, kalt und berechnend. "In so ein System habe ich kein Vertrauen", schrieb mir kürzlich eine Homöopathin. Was Wissenschaft wirklich bedeutet, wie mühsam der Erwerb von Wissen ist und welch interessierte, neugierige Grundhaltung Wissenschaft zur Basis hat, das schien ihr nicht bekannt zu sein (und mir auch nicht, damals, als ich noch Homöopathin war).

Erschwerend kommt hinzu, dass uns Menschen aus psychologischen Gründen ein Schulterschluss mit einer Gruppe hilft, um mit uns selbst besser klarzukommen. So schließen sich also die einen der "Schulmedizin" an und die anderen sind "die Alternativen". Man ächtet sich gegenseitig und darunter verschwindet das ursprüngliche Ziel von beiden Gruppen: dem Menschen zu helfen, möglichst gesund zu bleiben oder es wieder zu werden.

Doch der große Unterschied ist der: Die normale Medizin will und kann nachweisen, wo und wie sie heilt. Sie versucht sich darin ständig zu verbessern. Sie macht Fehler und sie lernt aus Fehlern. Die normale Medizin hat zum Grundsatz, dass Medikamente/eine Therapie erst den Nachweis erbringen müssen, dass sie wirklich wirksam sind, dass sie besser sind als andere Therapien. Warum sonst sollte man sie einem Patienten überhaupt anbieten?
Die Homöopathie (und einige andere Alternativmethoden auch) beruft sich dagegen auf alte Annahmen, die vor allem eines sind: alt. Sie überprüft nicht, sie beruft sich einfach nur darauf. Hahnemann hat gesagt! Punkt. Und darauf vertrauen viele Patienten mehr, als auf die nachgewiesen Wirksamkeit normaler Medizin? Im evidenzfreien Raum unglaublicher Heilstorys fühlen sie sich besser aufgehoben, als im Rahmen des bestehenden Medizinwissens? Und selbst, wenn der Homöopath ihre richtigen Medikamente streicht ("Chemie!", "böse"!), selbst wenn sie drohen daran zu versterben, vertrauen sie weiter.

Vielleicht kann man sich dies nur durch psychologische Annahmen erklären (1): Auch das beste evidenzbasierte Wissen hilft uns nicht, den Gefühlen zu entkommen, die auftauchen, wenn wir mit dem Tod oder einer bedrohlichen Diagnose konfrontiert werden. Oder mit der Unsicherheit mit dem ersten Neugeborenen. Der subjektiven Schwere einer unklaren Befindlichkeitsstörung. Der Sorge um ein krankes Kind. Und in dieser Not, die oft von außen nicht zu ermessen und schon gar nicht zu beurteilen ist, wer tut da nicht so einiges, wenn er sich alleingelassen fühlt? Da helfen emotionale Unterstützung aber auch magisches (Wunsch)Denken, Phantasieheilsverprechen, mystische Rituale und ein Gefühl der Zugehörigkeit oder Besonderheit durchaus sehr. Da helfen Menschen und Aussagen, die nach "mehr" klingen, die mehr versprechen. Gerade heute habe ich im Internet ein Filmchen über die (Heil)Magie der Einhörner gesehen. Das haut echt rein. Aber es zeigt für mich auch, wie verzweifelt manche sein müssen, dass sie das ernst nehmen und nicht die Worte ihres Hausarztes. Es zeigt auch, wie schwer es ist, zu akzeptieren, dass wir noch nicht alles heilen können und nicht jede Krankheit verstehen.

Es kann deshalb nicht allein die Lösung sein, die Homöopathie "abzuschaffen", denn wohin sollten all die Patienten, die sich dort bisher gut aufgehoben fühlen? Drängen wir sie damit nicht in noch viele schlimmere Alternativen ab und noch weiter weg von gesichertem Wissen und belegbaren Therapien? Menschen in Not brauchen einen Halt. Finden sie den nicht in der normalen Arztpraxis, kann ich es keinem verübeln, dass er ihn sich wo anders sucht. Und leider oft dort findet, wo fehlende Evidenz auch noch als eine Art Auszeichnung schöngeredet wird.
Nur über die Alternativmedizin abzulästern und sie abschaffen zu wollen, ist die eine Sache, für eine menschlichere, gute medizinische Versorgung im Alltag zu sorgen, die andere. Als Homöopathin konnte ich meinen Patienten Zeit schenken, ich konnte in Gesprächen Ängste nehmen, Diagnosen erklären, in Ruhe verschiedene Therapiemöglichkeiten aufzeigen, beraten und begleiten oder erarbeiten, welche Möglichkeiten ein Patient selbst hat. Lässt man das Globuli Verschreiben weg, dann sind diese Punkte wertvoll, solange sie sich am modernen medizinischen Kenntnisstand orientieren. Natürlich ist mir bewusst, dass hier leichtes Spiel für alle möglichen Ideologien oder patriarchalisches Gurutum besteht. Deshalb wäre es um so wichtiger, dass normale Hausärzte diese Gespräche wieder leisten können, wieder bezahlt bekommen und ihren Patienten anbieten. Bevor diese sich anderswo Hilfe suchen.



(1) siehe zB Yalom I (2010): Existentielle Psychotherapie

Zum Weiterlesen:
Die Debatte in der Gesundheitspolitik dreht sich fast ausschließlich um Kosten – wichtiger wäre Zeit für Patienten, analysiert Jan-Philipp Hein:
http://www.svz.de/nachrichten/deutschland-welt/politik/alles-nur-in-homoeopathischen-dosen-id11019316.html

Kommentare:

  1. Ich finde es gut, dass Sie Ihr Buch "Homöopathie neu gedacht" genannt haben und nicht "Schwarzbuch Homöopathie" oder ähnlich. Viele Aussteiger aus derartigen Glaubenssystemen pflegen ja anschließend eine harte Verachtung und lassen keine Gelegenheit Kritik zu üben aus. Gut, dass Sie sich für einen anderen Weg entschieden haben und überlegen, wie wir - unabhängig von den objektiven Irrungen, denen das System Homöopathie unterliegt - das empfunde Gute daraus mitnehmen können. Denn damit signalisieren Sie zum einen den Homöopathen, dass Sie nicht sie, sondern den problematischen Ansatz der "Medikamenten"-therapie kritisieren und zum anderen den Menschen und Patienten, dass die Homöopathie mehr leistet als nur Globuli zu verschreiben, selbst wenn sie sich dessen nicht immer bewusst ist. Entkernt von Ideologie und magischem Wunderglauben kann die Alternativ-"Medizin" das, was unsere heutige Medizin in ihrer Fixierung auf die Wissenschaftlichkeit leider verlernt zu haben scheint: Den Menschen als Menschen betrachten, nicht nur als Individuum X mit ICD-Diagnose. So günstig die Objektivität im Hinblick auf die Sicherung von Evidenz ist, so schädlich ist sie für das Verhältnis Arzt-Patient.

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  2. Ich denke die Verdrossenheit der "Schulmedizien" gegenübet ist ein Prozess, der sich langsam entwickelt hat. Schuld ist vor allem 1. die Gesundheitsreform in den 80ern. Plötzlich wurde im Gesundheitswesen alles teurer, vieles wurde nicht mehr bezahlt und "Alternativen" mussten her. Dazu kam 2. die Nüchternheit der Medizin (Geräte etc). Es geht vielen Medizinern um die Beseitigung der Krankheiten, nicht um persönliche Beziehungen zu den Patienten. Auch da wieder Punkt 1, , wer nix bezahlt bekommt opfert auch keine Zeit. (Man muss schon lange suchen, bis man den passenden Arzt findet)
    3. der wissenschaftliche Analphabetismus der Gesellschaft. Die meisten verstehen gar nicht, worum es überhaupt geht. Da sie aber ein paar Begriffe aus der Schule kennen reflektieren Sie natürlich lieber auf Dinge, die wissenschaftlich klingen UND auch noch etwas mystisches haben. Positive Energien und sanfte Schwingungen klingt einfach besser als Kernspintomographie oder Plattenepithelkarzinom. Dazu kommt natürlich noch die ungefilterte Verbreitung jeder Meinung im Internet. Doch der - für mich - vielleicht wichtigste Punkt beruht auf einer Erkenntnis, die vielen nicht leicht fällt:

    4. Die Medizin hat Grenzen! Sie ist kein Wunderapparat, der Wünsche erfüllt. Sie kann vieles, aber eben doch nicht ständig Wunder vollbringen. Menschen werden auch weiterhin krank und sterben. Daran wird sich auch nichts ändern.

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  3. Entkernt von Ideologie und magischem Wunderglauben bleibt aber von Homöopathie et al. aber nichts übrig, was echte Mediziner nicht auch könnten... - wenn man sie nur ließe.

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  4. [Die Schulmedizin] "mag über großes Wissen und über Wissenschaftlichkeit verfügen - aber sie kommt damit beim Patienten, beim Menschen in Not, nicht wirklich an."
    Ich denke "in der Not" kommt die Schulmedizin sehr wohl an. Viele Homöop.-AnhanängerInnen lassen sich bei schweren Unfällen, Krebs, etc. dann doch schulmedizinisch behandeln. Meiner Erfahrung nach (Achtung: Ich argumentiere hier absichtlich anekdotisch wie einE echteR HomöopathIn ;) ) ist Homöop. hauptsächlich in 2 Fällen "zuständig": leichte Krankheiten, die sowieso meist von selbst verschwinden und Fälle, bei denen die Schulmedizin keine Diagnose/Antwort/Therapie hat.

    Ich finde ihren Ansatz interessant, zu versuchen, die Stärken der homöop. Behandlung in die evidenzbasierte Medizin zu übertragen. Ich muss aber bemerken, dass ich mich beim Arzt/Ärztin selten (eigentlich nie) "unmenschlich" behandelt fühlte. Das Gespräch in der Arztpraxis ist ja selbst auch gar nicht "evidenzbasiert", oder sonderlich wissenschaftlich; zumindest habe ich das nie so erlebt.

    Was würde sich denn eigentlich ändern, wenn ÄrztInnen ähnlich wie Homöop. für längere Gespräche honoriert würden? Dadurch hätten sie doch trotzdem nicht mehr Zeit? Mehr Geld bedeutet doch nicht auch mehr Zeit!? WIr haben nunmal nicht unbegrenzt viele ÄrztInnen mit unendlich viel Zeit (schon gar nicht auf dem Land). Oder glaubst du, die ÄrztInnen würden dann (noch) länger arbeiten? Ich weiß nicht, ob ich das so erstrebenswert finde.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Anspruch, ÄrztInnen müssten sich (viel) mehr Zeit nehmen, so richtig finde. Ich habe den Eindruck, Viele verwechseln den/die Arzt/Ärztin mit Seelsorge/FreundIn. Vielleicht sollten wir uns überlegen, wie wir es außerhalb der Medizin schaffen können, Menschen, die sich allein fühlen zu helfen.

    Was mir besonders gut an der Schulmedizin gefällt: es wird ehrlich mit mir umgegangen! Wenn der/die Arzt/Ärztin nicht weiß, was mit fehlt, dann sagen sie es, anstatt sich iwas auszudenken (das kann ich auch selbst; ein Konzept wie das "Ähnlichkeitsprinzip", erfinde ich in 5 Minuten;) ). Wenn es keine Therapie gibt, dann wird das auch so kommuniziert. Das manche Menschen das nicht akzeptieren wollen, sollte nicht dazu führen, dass wir die Medizin in diesen Punkten ändern.
    Wenn ich ernsthaft krank bin(und nur dann gehe ich zum/zur Arzt/Ärztin), möchte ich vorallem, dass die richtige Therapie gefunden wird. Wenn das nur 2 Minuten dauert: um so besser. Wir sollten den ÄrztInnen vertrauen können (u.A. auch durch Transparenz) und sie sollten sich soviel Zeit nehmen können, wie eben nötig ist, um eine sichere Diagnose zu stellen. Aber ich fürchte, dass für darüber hinausgehende Gespräche die insgesamt verfügbare Zeit zu gering ist. Bei Problemen, die sich besser mit längeren Gesprächen lösen lassen sind in vielen Fällen wohl eher PsychologInnen, Religion, Internetforen und Ähnliches zuständig...

    Ich merke immer wieder, dass ich mich nur schwer in die AnhängerInnen der Homöop.-Szene hineinversetzen kann. Vielleicht kannst du ja nochmal versuchen an Beispielen zu erklären, was genau diesen Menschen in der Schulmedizin fehlt. Also das hier:
    "Als Homöopathin konnte ich meinen Patienten Zeit schenken, ich konnte in Gesprächen Ängste nehmen, Diagnosen erklären, in Ruhe verschiedene Therapiemöglichkeiten aufzeigen, beraten und begleiten oder erarbeiten, welche Möglichkeiten ein Patient selbst hat."
    nochmal näher erläutern. Wieso fehlen diese Dinge denn in der Arztpraxis?

    Danke und weiter so:)

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    1. Nun, im einfachsten Fall ist das ja nur eine Art Rechtfertigung posthum für mein Homöopathentum;-)
      Im etwas komplizierteren Fall, ist es vielleicht so, dass es verschiedene Menschen und verschiedene Wünsche an einen Arzt gibt - sicher auch je nach Diagnose. Während der eine bei einer leichten Grippe einfach nur zwei Minuten einen Arzt und va eine AU braucht, möchte ein anderer bei einer Befindlichkeitsstörung lange über mögliche Ursachen etc sprechen. Aktives Zuhören hilft dabei analog der Gesprächstherapie. In einigen Fällen gelingen neue Selbsterkenntnisse (ich hab das im Buch ganz ausführlich erklärt, wie das gemeint ist), die zu einer lebensverändernden Maßnahme führen. Durch die Globuli kann die Botschaft "ich werde gesund" transportiert werden. Ohne Globuli bleibt die Zeit und das intensive Arzt-Patienten-Verhältnis. In der normalen Arztpraxis fehlt dies, weil in der Regel 7 Minuten pro Patienten (inkl Untersuchung) vorhanden sind. Und beim zweiten besuch im Quartal gibts eh kein Geld mehr. Dann hinsetzen und reden? Wohl kaum und das kann ich keinem Kollegen verdenken.

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  5. Ernst gemeinte Frage aus Unwisseneit: Was hindert einen "normalen" Arzt eigentlich daran, solche eine Gesprächszeit wie ein Heilpraktiker/Homöophat abzurechnen? Kann sie/er nicht argumentieren, eine Homöophatische Anamese durchgeführt zu haben, dann aber zum Schluss kommen, etwas handfestes müsste zu verschreiben sein?

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    1. Hehe, im Zweifel hindert sie ihr Gewissen. Nee, im Ernst. Ärzte rechnen nicht nach Zeit sondern in erster Linie nach Ziffern (der Gebührenordnung für Ärzte) ab. Die Ziffern für ein normales Arztgespräch sind nicht beliebig über den Satz (Zeitaufwand, etc) steigerbar, da kommt man nie auf den Betrag, den es für die homöopathischen Ziffern gibt.
      Aber der Arzt muss über die Zusatzbezeichnung "Homöopathie" verfügen, um die Ziffern 30 und 31 (Erst- und Folgeanamnese, homöopathisch) abrechnen zu können. Und man muss teilweise einen Zusatzvertrag mit gesetzlichen Kassen haben, damit die das akzeptieren. Manche Kassen akzeptieren die Ziffern auch nur, wenn man danach ein hp-Präparat verschreibt (Zusatzkassen).

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  6. Es darf nicht sein, dass Hausärzte für das ausführliche Gespräch bestraft werden. Daher meine Forderung nach einer jährlichen Intensiv-Beratung (45 min. - 100.- Euro) für Kassenpatienten.

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  7. Sehr geehrte Frau Grams,

    mit Interesse verfolge ich die Vorgänge um Ihre Veröffentlichung.

    Es wird mitgeteilt, dass Sie sich jetzt der Psychotherapie zugewandt haben.
    Mich beschäftigt im diesem Zusammenhang die Frage, welche Studien über die Wirksamkeit der Psychotherapie vorliegen und ob Sie diese ebenso einer kritischen Analyse unterzogen haben.
    Ich würde mich freuen, wenn Sie in dieser Hinsicht meinen Geist erhellen würden.

    Mit bestem Dank im voraus und freundlichen Grüßen
    Hans Baitinger

    Arztpraxis Baitinger,
    Allgemeinmedizin, Homöopathie, Psychotherapie
    Praxis ärztlicher Philosophie
    Am Stadtpark 95
    90409 Nürnberg
    Tel.: +49-(0)911-3651831
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    1. Lieber Herr Kollege Baitinger,
      haben Sie vielen Dank für Ihre berechtigte Frage. Im Buch setze ich mich ja im letzten Kapitel viel damit auseinander, warum es sinnvoll sein könnte, bei der Beurteilung der interpersonellen Geschehnisse während der homöopathischen Gespräche, eher sozial- als naturwissenschaftliche Studiendesigns zu verwenden und mache ja auch konkrete Vorschläge dazu. Multikausale Ursachen und Prozesse ließen sich in einem humanwissenschaftlichen Ansatz vermutlich besser abbilden, auch im Hinblick auf mögliche Wirksamkeiten.

      Da ich mich derzeit in der Ausbildung zur Psychologie befinde, befasse ich mich natürlich auch viel mit psychologischen Studien.

      Generell scheint mir der große und fundamentale Unterschied der zu sein, dass die Wirkung der psychologischen Intervention zwar schwer zu erfassen ist, aber möglich. Die Wirkung der Homöopathie ist über Kontexteffekte hinaus nicht möglich, da Nichts nichts bewirken kann. Hier entscheidet also nicht die Studienstruktur sondern der homöopathische Theoriefehler vorher, dass eine Wirkung (über ein Placebo hinaus) nicht nachgewiesen werden kann.
      Stimmen Sie mir darin zu?
      Mit bestem Gruß, NG

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    2. @Arztpraxis Baitinger
      Ihre nur mäßig versteckte Kritik ist ein beliebtes Argument der Homöopathen. Sie haben selbstverständlich Recht. Eine eindeutige Evidenz gibt es bei der Psychotherapie nicht. Kann es nicht geben. Wie soll eine doppelt verblindete Studie auch aussehen?

      Aber die Kritik an der Homöopathie steht auf 3 Säulen.

      1. Die Homöopathie ist hochgradig unplausibel
      2. Es gibt keine Evidenz obwohl diese grundsätzlich möglich sein müsste
      3. Die beobachtbaren Phänomene sind durch gut dokumentierte Effekte erklärbar

      Die Psychotherapie ist eben zumindest plausibel.

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  8. Ich habe ja an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass das theoretische Konzept einer Wissenschaft, egal welcher Art letztlich nur durch ein fundiertes geisteswissenschaftliches Vorgehen dargestellt werden kann, auch das der sogenannten Naturwissenschaften. Th. Nagel hat in seinem bekannten Aufsatz mit dem Titel "Wie es ist, eine Fledermaus zu sein" (englischer Titel: „What is it like, to be a bat“) deutliche Hinweise zum Thema Subjektivität gegeben. Ich würde mich da aber auch noch dem Ansatz der von Wolfgang Welsch vertretenen Transversalen Vernunft (Wolfgang Welsch, Vernunft, die zeitgenössische Vernunft und das Konzept der Transversalen Vernunft) anvertrauen wollen und seiner deutlichen Kritik an unserem antropischen Weltbild. Da wird dann der Begriff des Humanen nochmals gründlich unter die Lupe genommen (Wolfgang Welsch, Homo mundanus).
    Was für mich im Ansatz Hahnemanns selbst bedeutsam ist, ist sein phänomenologisches Vorgehen (obwohl es zu diesem Zeitpunkt diesen Begriff noch nicht gegeben hat). Er hat, noch genauer betrachtet, das beschrieben, was wir heute im Ansatz der Traumatherapie ständig vor uns haben.
    Außerdem folgt aus weiteren Ansätzen ein grundsätzlich anderes Verständnis dessen, was wir als Pharmakon vor uns haben, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass uns in Gestalt einer Krankheit etwas Bedrohliches gegenübertritt. Ich erlebe es durchaus so, dass die gegenwärtige Rezeption des Hahnemannischen Ansatzes sich so verhält als ob in diesen Ansatz eine sogenannte Meistererzählung geglaubt werden müsste. Wir sind allerdings schon weiter in der Geisteswissenschaft, indem wir in der Lage sein könnten, solche Ansätze zu hinterfragen, um im Sinne der Transversalität weitere Potentiale zu erkennen und zu entfalten.
    Ich möchte mit diesen Hinweisen durchaus nur Andeutungen geben und meine, dass die gesamte Komplexität nicht ausreichend in einem Blog dargestellt werden kann, wenn nicht diese Grundsätze wirklich zuvor studiert worden sind. Sonst ist die Gefahr eines (unbewußten und heimlichen) Glaubenskrieges unausweichlich, von dem aber ein Blog durchaus Leben eingehaucht bekommt. Dagegen sind wir mit Sicherheit schon dort angekommen, wo das Ende der Meistererzählungen bereits hinter uns liegt.
    An einem Glaubenskrieg möchte ich mich auf jeden Fall nicht beteiligen, sondern würde gerne eher lernen, wie wir uns besser postantropisch vernetzen und dabei den ernstzunehmenden Beitrag der Homöopathie Hahnemanns einbeziehen, anstatt diesen zu verteufeln.
    Arztpraxis Baitinger,
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    1. Also ganz verstehe ich Ihre Antwort jetzt leider nicht. Aber in meinem Buch habe ich ja gerade den Versuch unternommen, die Gesprächsaspekte der Hp (wobei es da keine Einheitlichkeit gibt) genauer unter die Lupe zu nehmen. Haben Sie es eigentlich gelesen? Und ist das in etwa das, was Sie auch meinen? Sind Sie als Homöopath tätig derzeit?

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    2. Ein ernstzunehmender Beitrag von Hahnemann ist meiner Meinung nach einerseits das mutige Hinterfragen der gängigen Vorgehensweisen und das eventuell darauf aufbauende Erkennen neuer (Denk)Muster. Und das hat er - soweit mir bekannt - sicherlich vorgelebt. Andererseits ist es auch ständig nötig, sich beim Erarbeiten dieser neuen Denkmustern selbst zu hinterfragen und die sodann aufgestellte Theorie - so stimmig sie auch im ersten Moment sein mag - stets der Überprüfung zuzulassen und dementsprechend auch wieder erneut den Mut aufzubringen, selbige bei sich einstellenden Unstimmigkeiten neu zu überdenken und ggf. komplett zu verwerfen. Die Ausbildung eines Tunnelblickes ob des Reizes der eigenen Theorie, das nicht Erkennen wollen der eigenen Fehlschlüsse und die daraus resultierenden (großteils auch ungewollten) Stichprobenverzerrungen, damit weiterhin alles stimmig ist, sind wohl jene Fehler, die Herrn Hahnemann unterlaufen sein dürften und die es stets gilt zu vermeiden. In diesem Sinne hat uns Hahnemann sicherlich ernstzunehmende Beiträge geliefert.

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  9. Es geht nicht so sehr um die Gesprächsaspekte, sondern die Denkfiguren, die sich darin ausdrücken. Diese Denkfiguren lenken dann das Gespräch in die eine oder die anderen Richtung, heilsam oder eben re-traumatisierend, wenn Sie so wollen. Ich bin sowohl als ärztlicher Psychotherapeut, als auch als Homöopathischer Arzt als auch als ärztlicher Philosoph tätig und nicht nur derzeit, sondern das seit gut 20 Jahren.
    Die Denkfigur der Arznei kommt dabei in jeder Hinsicht vor, nicht nur der materialistischen.
    Es wäre jetzt für mich wichtig, was Sie nicht verstehen. Vielleicht liegt ja gerade da die Krux.
    Wenn Sie sich verstanden fühlen wollen, hätte ich nichts dagegen.

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    1. Was meinen Sie denn zB mit Denkfiguren? Diesen Begriff kenne ich nicht, zumal nicht im Zusammenhang mit der Homöopathie. Denkfigur der Arznei, was meinen Sie damit genau?

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  10. Sie haben sich exponiert und dabei Publizität erreicht. Dies sei Ihnen unbenommen.
    Das Gebiet, das Sie betreten haben, folgt einer Begrifflichkeit, die sie möglicherweise nicht ganz erfassen konnten, im Sinne von "die Geister, die ich rief ......". Ich kann Ihnen hier keine philosophische Abhandlung geben, habe aber dazu genügend Hinweise durch meine Literaturangaben gegeben, denen Sie nachgehen können.
    Wem Ihr Buch dient, soll hier von mir nicht andeutet werden. Es dient auf jedem Fall einem Zweck, der einen tieferen Sinn hat als es vordergründig zu sein scheint.
    Vielleicht nehmen Sie einfach meine Hinweise als Hilfestellung für weitere Überlegungen. Wenn Sie dabei gewahr werden, welchen Irrtümern Sie bei aller Seriosität unterliegen könnten, entstünden unter Umständen daraus fruchtbare Bewegungen und Begegnungen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute.
    Ich lasse es jetzt dabei gut sein.

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  11. (Natürlich ein andere "anonym")

    Wow, selten eine so wortreich Ausführung der Aussage: "Mädl, lass die Finger davon, du hast keine Ahnung, darum begreifst du auch die Homöopathie nicht!" gelesen.

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  12. Ja, sehr ,lustig', dass eine sachliche Diskussion keine Definition der verwendeten Fachbegriffe zulässt. Nunja. Kenn ich jetzt ja schon, dass die Diskussionen mit Homöopathen so laufen. Wer nicht fühlt, was der andere meint oder gar genaues wissen will, hat verloren. Komische Diskussionskultur

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  13. Liebe Frau Grams, das ist weder von mir so gesagt noch gemeint gewesen. Wenn es jetzt um Unterstellungen gehen soll, dann ist das genau das, was ich in meiner ersten Äußerung bereits als Glaubenskrieg vermutet hatte. Ich habe Ihnen dort ganz klare Hinweise gegeben, die Sie nicht aufgreifen. Was soll ich dann noch machen?
    Die Definition des Fachbegriffs Denkfigur kann überall nachgelesen werden. Ich muss diese hier nicht wiederholen. Es wäre aber schön, wenn Sie mich nicht an den Pranger stellen würden, denn das habe ich mit Ihnen auch nicht gemacht. Denkfigur ist wirklich ein so allgemeiner Begriff, der nicht näher erläutert werden kann als durch Verweise auf Quellen, die diesen beschreiben und das habe ich getan, genauso wie Sie mich fragen, ob ich Ihr Buch gelesen habe, ohne entsprechende Zitate zu nennen. Da habe ich mich doch an Ihren Stil angeglichen, weil ich davon ausging, dass Sie das so pflegen und auch nichts anderes bei Anderen voraussetzen. Und jetzt ist es wirklich genug. Schauen Sie in den Quellen nach, die ich nannte, da wird alles beschrieben. Sie gehen nicht auf meine Ausführungen ein, es sei denn mit der Bemerkung, dass Sie etwas nicht verstanden haben. Dann gebe ich Ihnen Hinweise, denen Sie nicht nachgehen. Was soll ich dann tun? Ich kann allenfalls dahinter einen bestimmten Diskussionsstil vermuten, der bei Lyotard genauer beschrieben wird (Lyotard, Widerstreit) nur ist ja der Gegenstand unserer Erörterungen nicht, welche Art von Diskussion wir führen wollen, meinte ich bisher zumindest, sondern vielmehr Inhalte, die etwas mit Homöopathie zu tun haben.

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    1. Verehrter Herr Baitinger,

      wie ich lese, halten Sie seit über 20 Jahren an Ihrem Geschäftsmodell fest. Nun - es wird dann sicherlich kein Zuschussgeschäft sein, sonst hätten Sie umgeschult oder wären wieder zurückgekommen (auf die seriöse Seite des Zaunes). Ich weiß - philosophieren lässt es sich so schlecht zu Kassensätzen. Und immer diese Rezepte sind auch langweilig, wenn man 120 Patienten am Tag betreut. Wissen Sie wie es sich ganzheitlich auf dem zahnmedizinischen Sektor anfühlt? Schauen Sie doch mal herein und teilen Sie mir dann - so mal ganz unter uns als Pastorentöchter - Ihre inspirierten Gedankenwelten einmal mit:

      http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2012/02/08/insider-bericht/

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  14. @Anonym:

    Jetzt mal Tacheles:

    Ganz ehrlich? Ihre Postings gehören mit zum heftigsten Geschwurbel, dass ich in den letzten Jahren Beschäftigung mit Esoterik im Allgemeinen und Homöopathie im speziellen gelesen habe. Das ist eine Leistung. Es bleibt ihre einzige.

    Sie werfen jede Menge pseudointellektuelle Nebelkerzen ohne auch nur eine einzige Aussage zu machen. Sie schreiben viel und sagen gar nichts. Ob sie dies in der Hoffnung tun, dass sich ihre komplette Ahnungslosigkeit nicht offenbart, sie einfach nur ein Troll sind oder ob sie es selbst nicht merken kann ich nicht beurteilen.

    Ihre aus jeder Zeile triefende Arroganz ist jedenfalls kaum zu ertragen.

    Versuchen wir es mal ganz einfach: Was haben Nagels Fledermäuse mit Homöopathie zu tun? Bitte formulieren sie doch mal eine echte Aussage, eine These, eine Idee. Irgendwas. Und bitte schreiben sie nicht, ich solle mich erst mit den Quellen auseinandersetzen. Ich kenne die Quellen. Mir erschließt sich aber beim besten Willen kein Zusammenhang zur Homöopathie. Wenn sie da was gefunden haben: erleuchten sie mich.

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  15. Danke für Ihre aufklärerische Tätigkeit, Frau Grams! Gerade eben sitze ich mich offenem Mund da, nachdem ich dem Youtube-Link gefolgt bin - dagegen ist die Religionspersiflage vom fliegenden Spaghettimonster ein Fliegensch...

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