Donnerstag, 1. Oktober 2015

Warum "meine Erfahrung" nicht zählt

Der Artikel in der Welt (und auf N24) hat wieder große Diskussionen zwischen Befürwortern und Kritikern der Homöopathie ausgelöst. Auf der Befürworter-Seite habe ich unzählige Male gelesen: "Aber ich habe doch gute Erfahrungen gemacht mit der Homöopathie; meine Kinder, mein Hund, mein Nachbar haben gute Erfahrungen gemacht....". Warum zählt die eigene Erfahrung aber an dieser Stelle nicht, um über die Therapiemethode Homöopathie wirklich urteilen zu können?
Ich habe dies in ähnlicher Weise schon in meinem Blog-Beitrag "Aber mir haben die Kügelchen echt geholfen..." aufgegriffen. Hier noch einmal zur Verdeutlichung: Die eigene Erfahrung ist unglaublich störanfällig und nicht zu gebrauchen, um etwas objektiv und sachlich zu beurteilen. Während uns bei einem Antibiotikum völlig klar ist, dass wir nicht sagen können: "Hab ich echt gute Erfahrungen mit gemacht, seitdem bin ich voll für die Antibiotika-Therapie", scheint die Beurteilung der Homöopathie unter anderen Bedingungen zu laufen. Hier meinen wir, Erfahrungen gegen Tatsachen oder gar gegen grundsätzliche Naturgesetze stellen zu dürfen. Welchen Denk- und Fühlfehlern wir bei der eigenen Erfahrung unterliegen können, habe ich mehrfach dargestellt. Deshalb gibt es in der normalen Medizin ja aber die Idee von Studien (RCT), um unter möglichst objektiven und wenig störanfälligen Bedingungen zu einer unabhängigen Beurteilung über Heilverfahren oder einzelne Medikamente zu kommen. Doch bei der Homöopathie wollen wir da irgendwie anders vorgehen. Auch hierzu habe ich bereits einen Blog-Beitrag geschrieben "Studien interessieren mich nicht, ich weiß doch, dass die Homöopathie wirkt!".

Es ist nicht leicht zu begreifen, dass die eigene Erfahrung, für die man seine Hand ins Feuer legen würde, nicht zählt. Man fühlt sich leicht persönlich in Frage gestellt durch den Hinweis, dass die eigene Erfahrung in diesem Fall nicht gilt. Doch, so wehrt sich alles in einem, ich WEISS es einfach, dass es mir geholfen hat! Schnell wird die Diskussion emotional und manchmal auch persönlich. Plötzlich geht es nicht mehr um die sachliche Lage der Homöopathie sondern darum, ob ich Recht habe, ob ich meiner Erfahrung trauen darf, oder ob mir das jemand anderes abspricht. Doch das sind zwei verschiedene Dinge. Sie dürfen nicht miteinander vermischt werden. Eigene Erfahrungen sind jedem unbenommen, sie können auch von außen nicht beurteilt oder gar in Frage gestellt werden. Eigene Erfahrungen sind jedoch (egal, wie überzeugend sie sich anfühlen) nicht - und zwar niemals nicht - geeignet, um über die Wirksamkeit einer Therapie zu entscheiden. Es wäre schön, wenn das auseinander gehalten werden könnte in den Diskussionen über die Homöopathie.
Ich habe an mir selbst und an meinen Patienten auch viele vermeintlich total überzeugende Reaktionen bemerkt, die mich haben glauben lassen, dass die Homöopathie total wirksam wäre und darin über jeden Zweifel erhaben. Doch da bedienen wir wieder nur das intuitive, schnelle Denken, das keiner genaueren oder komplexeren Überprüfung standhält. Es ist mühsam, sich rational Zahlen, Daten und Fakten zu nähern. Es macht keinen Spass. Es entflammt sicherlich kein großes Gefühl dabei. Aber es bietet, nach sorgfältiger Abwägung, die Chance, wirklich ein sachliches Urteil zu fällen.
Es sagt ja auch keiner, dass die Homöopathie keine Wirkung hat. Der entscheidende Punkt ist, dass sie keine Wirksamkeit als Arzneitherapie hat und dass die Wirkung nicht über ein Placebo hinaus geht. In diesem Rahmen kann allerdings viel passieren. Viele Gründe, warum etwas passiert während einer homöopathischen Behandlung, greife ich in meinem Buch ausführlich auf. Ich freue mich über jeden, der sich auf die beschwerliche Reise machen möchte, über die eigene bisherige Erfahrung hinauszuwachsen und neue Wege zu gehen. Die Erkenntnis, dass uns die eigene Erfahrung nicht berechtigt, objektiv über die Homöopathie zu urteilen (und dies nicht als Angriff auf die eigene Integrität zu verstehen), wäre ein erster Schritt dazu.

Zum Weiterlesen:
Die trügerische Kraft des Einzelfalls: http://scienceblogs.de/plazeboalarm/index.php/medizinjournalismus-die-truegerische-kraft-des-einzelfalls/

Zum Weitergucken:
Die Erfolgsgeschichten der Alternativmedizin:
JörgWipplinger: http://www.diewahrheit.at/video/erfolgsgeschichten-der-alternativmedizin

Kommentare:

  1. http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/an-alle-homoopathie-glaubigen/

    An alle “Homöopathie-Gläubigen”

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  2. Und dennoch wird es den Einzelnen nicht überzeugen, wenn etwas für ihn ja "gewirkt" hat.
    Und ich frage mal: ist das wirklich verwerflich? Vom rational-wissenschaftlichen Standpunkt aus sicher, aber rein pragmatisch gesehen ist es mir auch lieber, Zuckerkügelchen "helfen", als daß ich mich da weiter quälen muß, wo mein Schulmediziner auch keinen Rat mehr weiß.

    Nicht mißverstehen, ich bin auch straffer Gegner der Homöopathie, aber hier trifft ideologiegeleitetes (strikt wissenschaftliches) Denken auf die Lebenspraxis. Mich selbst zerreißt es jedesmal, wie ich das beurteilen soll.

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    1. Sie sprechen einen wichtigen Punkt an, an dem ich mir auch unsicher bin, wie "man sich richtig verhält". Muss man einer Familie, der Globuli bisher geholfen haben, die Hp "wegnehmen"? Kann man persönliche gute Einzelerfahrungen durch Wissen überschreiben? Ich denke, dass Patienten und Laien sich sowieso nicht mit der Wirksamkeit und deren Nachweis auseinanderzusetzen brauchen. Bei einem Antibiotikum verlangen wir ja auch nicht, dass der Patient darüber entscheidet, ob es nun wirksam ist oder nicht. Aber dagegen steht auf Therapeuten Seite die Verantwortung, den Patienten dann auch nur zwischen sicheren oder bestätigten Heilverfahren wählen zu lassen. Dazu gehört die Homöopathie nicht.
      Was bleibt, ist, dass die Hp etwas anbietet, nach dem sich Patienten zu Recht sehnen - Zuwendung, ernstgenommen werden, etc. Das ist unbenommen. Und darauf werden wohl auch die guten Erfahrungen zurückzuführen sein.

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    2. @Anonym:

      Ein Problem dabei ist, dass die Erfahrung eben keine Rückschlüsse auf die Zukunft zulässt. Nehmen wir als Beispiel eine Mittelohrentzündung. Ein Kind hat einen harmlosen Verlauf. Die rasche Verbesserung der Symptome wird von den Eltern den Globuli zugeschrieben - obwohl die damit nichts zu tun haben. Beim nächsten Mal verwenden die Eltern wieder Globuli da sie ja bereits sehr gute Erfahrung gemacht haben. Leider ist der Verlauf nicht mehr so harmlos wie beim ersten Mal. Und bevor die Eltern merken was los ist hat das Kind höllische Schmerzen und evtl. sogar einen bleibenen Hörschaden. Die gute Erfahrung mit Homöopathie gibt Menschen eine sehr trügerische Sicherheit.

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  3. Liebe Frau Grams,

    gerade habe ich mir ihr Buch bestellt: Bestseller Nr.1 im Bereich Homöopathie, Glückwunsch!
    Ausdrücklich möchte ich mich „excanwahn‘s“ Rezension anschließen (http://www.amazon.de/gp/customer-reviews/RV4W2U9AMTFLC/ref=cm_cr_pr_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=3662453363) und Sie zu ihrem Mut beglückwünschen.

    Inzwischen habe ich auch einige ihrer Blog-Artikel und Interviews gelesen und bin nun ein wenig neugierig geworden.


    Ich bin selbst ein Skeptiker, schon mein ganzes Leben, und habe selbst auch einen Blog: http://www.nachdenken-bitte.de/blog/


    Ich hätte eine, zwei oder drei Fragen (die miteinander zusammenhängen) an Sie und würde mich über eine Antwort freuen:


    Können Sie im Nachhinein sagen, was genau Sie zum Nachdenken/Umdenken bewogen hat?

    War es ein Prozess oder waren einzelne Dinge/Argumente besonders prägend?

    War es wirklich ein Buch, wie sie sagten, also Rolf Dobelli Die Kunst des klaren Denkens, Christian Weymayr Homöopathie-Lüge oder Daniel Kahnemann Schnelles Denken, langsames Denken?


    Selbst wenn es eines oder alle drei Bücher waren, warum haben sie diese überhaupt gelesen? Ich meine, was war ihre Motivation oder der Grund diese Bücher zu kaufen und zu lesen? Empfehlungen von Freunden? Ihre Neugier?

    Wurden Sie von Christian Weymayr interviewt? Wie kam er auf Sie, wenn ich fragen darf?

    Oder wenn wir das ganze etwas psychologischer betrachten, liegt es irgendwie an ihrer Persönlichkeit oder Charakter? Sind sie ein neugieriger Mensch?

    Interessieren Sie sich für die Wahrheit, egal wo sie liegen mag? Würden sie sich als leichtgläubig/abergläubig sehen oder überhaupt nicht?

    Warum der Zeitpunkt 2012 (oder vielleicht auch 2013 bis zum heutigen Tag) als Zeitpunkt ihres Meinungsumschwungs? Sie hatten gerade mal ein Jahr, seit 2011, ihre Praxis.

    Was ist eigentlich ihre allgemeine Meinung über „Alternativmedizin“?

    Sind sie ein eher offener Mensch, also für andere Meinungen, Argumente und Belege? Auch bei verschiedenen Themen, unabhängig von medizinischen Dingen?

    Was hat ihre „kognitive Dissonanz“ durchbrochen?


    Das sind jetzt doch ein paar mehr Fragen geworden…, sorry ;-)


    Aber die hängen ja zusammen. Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich will keinen „Seelenstriptease“ von Ihnen. Wenn Ihnen die Fragen zu persönlich sind, müssen Sie selbstverständlich nicht antworten.


    Mich interessiert es nur wirklich, wie sie sich selbst einschätzen und was die Gründe für so einen deutlichen Meinungsumschwung und Erkenntnisgewinn sein könnten, verstehen Sie?


    Viele Grüße
    Stephan Angene


    p.s.: Christian Weymayr hatte ich damals übrigens selbst interviewt, falls es sie interessiert: http://www.nachdenken-bitte.de/medizin/interview-mit-dr-christian-weymayr-autor-des-buches-die-homoopathie-luge-teil-1/

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    1. Lieber Stephan, ich versteh :-) Ich brauche ein bisschen Zeit, um Ihre Fragen zu beantworten, grade tobt hier der Medien Bär. Aber ich werde es dann hier posten. LG NG
      PS Ihr Blog gefällt mir außerordentlich

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  4. Liebe Frau Grams,

    ja, keinen Stress, lassen Sie sich Zeit. Ihre Aufklärung in den Medien ist viel wichtiger, als meine blöden Fragen zu beantworten!

    Ich frage mich eh, wie Sie das alles (gleichzeitig) hinbekommen. Mann, drei Kinder, Praxis abwickeln, neuer Job, Buch schreiben, bloggen, Medien bedienen etc…

    Sie müssen nicht nur multi-tasking-fähig sein, sondern hyper-tasking-fähig…Respekt!

    Oder hat ihr Tag mehr als 24 h? Haben Sie eine Zeitmaschine oder einen „Zeitverlangsamer“ erfunden?
    ;-)

    Viele Grüße
    Stephan

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    1. Die Fragen sind nicht blöd!! Und wie ich das hinkriege, frag ich mich derzeit auch manchmal, liegt vermutlich daran, dass ein Smartphone einiges erleichtert;-))

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  5. Lieber Stephan. Hier nun also meine Antworten. Ich habe Ihre Fragen der Einfachheit halber reinkopiert.

    Können Sie im Nachhinein sagen, was genau Sie zum Nachdenken/Umdenken bewogen hat?

    Wirklich zum Nachdenken gebracht haben mich das Wahrnehmen meiner kognitiven Dissonanz als körperliche „Stress“-Symptome und das Erkennen des Unterschieds der Denkqualitäten von „schnellem und langsamem Denken“.

    War es ein Prozess oder waren einzelne Dinge/Argumente besonders prägend?

    Ein langer und nicht leichter Prozess mit mehreren High – bzw. eher Downlights

    War es wirklich ein Buch, wie sie sagten, also Rolf Dobelli Die Kunst des klaren Denkens, Christian Weymayr Homöopathie-Lüge oder Daniel Kahnemann Schnelles Denken, langsames Denken?

    Es hat angefangen mit der Homöopathie –Lüge und dort vor allem mit den Diskussionen auf Amazon. Wie krass „scharf“ dort einige Kritiker denken und argumentieren konnten, das hat mich aus meinem bisherigen Konzept gebracht. Ich war erstmal nur wütend, aber es hat mich nicht losgelassen, dass ich immer so richtig Herzklopfen beim Diskutieren hatte. Was ist da los mit mir? Wenn ich mir so sicher bin, warum regt es mich so auf?

    Selbst wenn es eines oder alle drei Bücher waren, warum haben sie diese überhaupt gelesen? Ich meine, was war ihre Motivation oder der Grund diese Bücher zu kaufen und zu lesen? Empfehlungen von Freunden? Ihre Neugier?

    Ich wollte dann ja zunächst eine Verteidigung für die Homöopathie schreiben. Und habe deshalb alles Mögliche gelesen, was die negativen Punkte der Homöopathie betrifft (also nicht nur verrissen, sondern wirklich gelesen), weil ich sie ja widerlegen wollte, dazu habe ich mich verpflichtet gefühlt. Wie mir das schnelle und langsame Denken in die Hände kam, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube über Schmidt-Salomons „Hoffnung Mensch“ . Da war es irgendwo als Literatur aufgeführt, aber sicher bin ich da nicht mehr. Die Kunst des klaren Denkens hat mir Herr Aust empfohlen, als wir im Email Austausch über Studien standen.

    Wurden Sie von Christian Weymayr interviewt? Wie kam er auf Sie, wenn ich fragen darf?

    Nein, ich wurde von Frau Heißmann interviewt. Sie war wohl über eine Kollegin an mich empfohlen worden. Ich war damals so überzeugt, dass ich mich nicht habe abschrecken lassen, von der Ankündigung, es handle sich um ein Interview im Rahmen der Recherche zu einem Homöopathie kritischen Buch. Ich hatte wohl eher gehofft, sie von der Hp überzeugen zu können.

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  6. Oder wenn wir das ganze etwas psychologischer betrachten, liegt es irgendwie an ihrer Persönlichkeit oder Charakter? Sind sie ein neugieriger Mensch?

    Ich denke schon, dass ich ein eher radikaler Mensch bin. Ich bin prinzipiell auch sehr kritisch denkend, auch schon lange nicht mehr in der Kirche und an humanistischen Ansätzen interessiert. Aber die Homöopathie war so was wie outständig und bis dahin unangetastet in mir. Als Homöopath fühlt man sich schon auch als eine Art Querdenker, insofern kam mir das zupass.

    Interessieren Sie sich für die Wahrheit, egal wo sie liegen mag? Würden sie sich als leichtgläubig/abergläubig sehen oder überhaupt nicht?

    Ich würde sagen ich bin gerne assoziativ und eher emotional, nicht betont rational. Das mag Vor- und Nachteile haben, auch in er aktuellen Gemengelage;-) Ich bin sehr konsequent, das hat mir wahrscheinlich am ehesten geholfen, das Ganze zu „schaffen“.

    Warum der Zeitpunkt 2012 (oder vielleicht auch 2013 bis zum heutigen Tag) als Zeitpunkt ihres Meinungsumschwungs? Sie hatten gerade mal ein Jahr, seit 2011, ihre Praxis.

    Der Zeitpunkt war in der Tat recht ungünstig, vom Finanziellen her wäre es besser gewesen, mir wären die Schuppen erst in 10 Jahren von den Augen gefallen. Es war einfach so, dass 2012 die Homöopathie-Lüge rauskam. Und danach alles seinen Lauf nahm... trotz Kleinstkindern etc

    Was ist eigentlich ihre allgemeine Meinung über „Alternativmedizin“?

    Ich würde heute sagen, was viele Kritiker derselben sagen: Wenn etwas funktioniert, wird es in die normale Medizin übernommen. Es braucht keine alternative Medizin. Es braucht aber sehr wohl eine Alternative zum normalen medizinischen Alltag, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Wobei ich auch keine Lösung dafür aus der Tasche zaubern kann.

    Sind sie ein eher offener Mensch, also für andere Meinungen, Argumente und Belege? Auch bei verschiedenen Themen, unabhängig von medizinischen Dingen?

    Nö, ich kann ziemlich verbohrt und rechthaberisch sein. Ich bin auch eloquent genug, um mir nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen, fürchte ich. Aber was solls, Fakten sind eben die besten Argumente. Einer guten Argumentation folge ich gerne. Ute Parsch ist da für mich ein Musterbeispiel. Und einige andere Skeptiker auch. Auch Ihr Blog gefällt mir diesbezüglich sehr gut. Ich habe auch einen sehr schwarzen Humor, der geht den meisten Homöopathen ab – vielleicht war DAS der Grund ;-)

    Was hat ihre „kognitive Dissonanz“ durchbrochen?

    Ich habe einen psychoanalytischen Hintergrund und ich denke, das Wahrnehmen der körperlichen Reaktionen im Rahmen der Hp-Lüge Diskussionen haben mich ernsthaft an mir selbst zweifeln lassen. Warum gerate ich in Stress, wenn ich mir doch so sicher zu sein scheine? Warum werde ich emotional, wenn es doch um eine Sachdiskussion geht? Was ist da los? Da stimmt was nicht... Dem bin ich nachgegangen. Mit aller Konsequenz.

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  7. Sie machen Scherze…

    Warum schreiben Sie überhaupt, dass sie Zeit brauchen, wenn Sie gefühlt nur eine Stunde später lang und ausführlich antworten?

    Ich dachte Sie sind zu beschäftigt? Daher habe ich gedacht, sie antworten erst in einer Woche oder so. Was fällt Ihnen ein, jetzt schon zu antworten und dann auch noch so ehrlich?
    ;-)

    Aber mal Spaß beiseite, ob Smartphones wirklich eine Zeitersparnis sind, weiß ich nicht. Ich lese zwar sehr gerne darauf an allen möglichen Orten, aber schreiben eher nur in whatsapp oder so.

    Ohne Tastatur geht schreiben doch nicht wirklich gut, oder? Sie haben das alles doch jetzt nicht auf einem Smartphone getippt, oder?


    Vielen Dank für die Antworten. Ist sehr interessant. Ich bin da ein bisschen wie sie, vom Charakter denke ich. Ich bin eigentlich ein sehr emotionaler Mensch. Liegt sicher daran, dass ich 1978 im Sternzeichen Fisch geboren wurde…sie wissen schon, sensibel und so… ;-)


    Aber ich werde eher emotional, wenn ich merke, dass Menschen meine Argumente nicht verstehen oder nachvollziehen können. Wenn ich emotional werde, dann beziehe ich das also nicht auf mich, dass ich falsch liege. Ich fühle mich auch nicht unwohl oder defensiv emotional, sondern rege mich über das total idiotische „Argument“ des anderen auf. Ich habe doch immer Recht (auch wenn ich falsch liegen sollte).

    Aber ich kann auch knallhart rational sein und versuche i.d.R. schon klare, vernünftige, sachliche Argumente anzubringen, die jemand anderes, so er/sie denn will, nachvollziehen können sollte.


    Ute Parsch ist natürlich genial. Wenn ich sie nicht mal wirklich getroffen hätte, würde ich denken, sie muss ein Roboter oder Algorithmus sein, denn so sachlich mit so viel Geduld kann kein Mensch bleiben. Vor allem so viel Zeit, um jedem noch so dahergelaufenen Honk auf Amazon die Welt zu erklären, hätte ich nicht. Das ist sensationell.

    Wobei ich mich auch mal ordentlich mit ihr gezofft habe auf Amazon, seitenlang. Über Gott und Religion(en), da sie selbst ja irgendwie doch „gläubig“ ist und wir uns über Harald Lesch gestritten haben. Egal.


    Es freut mich, wenn Ihnen irgendein Artikel bei mir im Blog gefallen hat. Ich bin nun wirklich kein literarisches Talent, aber das waren so ein paar Dinge, die ich mal niederschreiben wollte.


    Machen Sie so weiter. Retten Sie die Welt, die Universitäten und die Menschen vor Unsinn. Nichts Geringeres erwarte ich von Ihnen.


    Und sie wissen ja, Homöopathie heilt, wirkt und funktioniert spezifisch (ja, über Placebo!). Das glauben Sie mir jetzt nicht?

    Puh, sie sollten wirklich etwas offener werden und die Argumente der Gegenseite ausführlich zur Kenntnis nehmen. Ein hervorragendes Buch dafür ist das hier:
    http://www.amazon.de/Hom%C3%B6opathie-f%C3%BCr-Skeptiker-wirkt-belegt/dp/3426292254/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1443783133&sr=1-1

    Wer heilt, hat Recht! Und wer das sanft, ganzheitlich, natürlich, feinstofflich und im Einklang mit der Quantenmechanik durchführt, kann nichts falsch machen.
    Zwischen Himmel und Erde…sie wissen schon.


    Nicht dass Sie es jetzt noch unbedingt nötig hätten, aber wenn Sie noch Interesse an guten Buchempfehlungen für Denkfallen, Irrtümer, logisches Denken, kritisches Denken, Erkenntnis etc.. haben, dann sagen Sie Bescheid, ich habe da eine Menge Empfehlungen hervorragender populärwissenschaftlicher (und damit gut lesbarer) Bücher.


    Viele Grüße
    Stephan


    p.s.: Eine kleine Kritik hätte ich doch noch: Sie meinen es nicht ernst, dass Sie sich nicht „fachlich/sachlich“ zu Qi und Meridianen äußern können, oder? Sie wollen nur nicht!

    Falls sie da aber echt keine Meinung dazu haben, kann ich gerne hier mal den Text posten, den ich einer Freundin geschrieben habe, die von Akupunktur total überzeugt ist…

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    1. Hehe, ja, manchmal überhol ich mich selbst - aber keine Sorge, war auf dem Mac getippt weil grade Zeit war und mich die Fragen ja auch beschäftigt haben.
      Erwähnen Sie bloß nicht, das "Skeptiker"-Hp Buch; wenn ich nicht schon gezweifelt hätte, DAS hätte mich zweifeln lassen (und zwar an weit mehr als an der Hp)!
      Für wirklich skeptische Bücher bin ich dagegen immer zu haben.
      Wegen Akupunktur - ich geh einfach nicht auf jede Diskussion ein derzeit und überhaupt. Das würde meine Ressourcen sprengen - springen Sie gerne (r)ein!

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  8. Ich hatte eine sehr lange E-Mail Diskussion mit einer Freundin allgemein über "Alternativmedizin", also Pseudomedizin per definitionem. Das ist nur ein kleiner Teil davon, was ich ihr geschrieben hatte, weil sie Akupunktur auch so toll fand:

    Teil1:
    ______________________________________________

    Und nun, zum Abschluss noch etwas zur Akupunktur:

    Die Basis der Lehre der Akupunktur geht von „Qi“ aus, was „irgendwelche Lebensenergien“ sein sollen.

    Es wird dich wahrscheinlich nicht wundern, aber ein „Qi“ hat noch kein Physiker, Chemiker oder Biologe irgendwo entdeckt oder messen können. Physiker können inzwischen die kleinsten Elementarteilchen messen und finden, aber ein dubioses „Qi“ leider nicht. Woran könnte das liegen? Vielleicht daran, dass es so etwas gar nicht gibt, sondern einfach nur behauptet wird, dass „Qi“ existiert?

    „Qi“ ist Religion bzw. Esoterik und nichts anderes, kannst du gerne hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Qi

    Das „Qi“, also die „Lebensenergie“ (was auch immer das sein soll?) fließt und zirkuliert nun (angeblich) auf „wohldefinierten Leitungsbahnen“ durch unsere Körper und man nennt das „Meridiane“.

    Diese Meridiane sollen Einfluss auf Körperfunktionen haben bzw. diese steuern (was selbstverständlich nicht plausibel ist bzw. nicht belegt ist).
    Muss ich erwähnen, dass noch niemals, irgendjemand diese „Meridiane“ gefunden hat bzw. nachweisen konnte, dass es so etwas überhaupt gibt?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Meridian_%28TCM%29

    Das gleiche gilt übrigens für „Aura“ oder „Chakra“:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Energiek%C3%B6rper#Kritik
    http://www.psiram.com/ge/index.php/Aura

    Als nächstes wird z.B. behauptet, dass bei Erkrankungen der „Energiefluss“ (der nicht belegt ist!) „gestört“ sei, wofür es ebenfalls keinerlei Belege gibt.

    Und dann wird behauptet, dass man, wenn man Nadeln an die genau richtige Stelle „steckt“, diese „blockierten oder gestörten Energieflüsse“ (wir erinnern uns: Die Existenz dieser ist nicht belegt!) wieder „entstört, zum Laufen bringt“ und dadurch die Erkrankung heilt.

    Warum man mit einer reingesteckten Nadel das erreichen kann, ist unklar bzw. unbelegt.
    So weit, so esoterisch.

    Und du fragst mich, in deinen eigenen Worten, warum ich Akupunktur mit „irgendeinem esoterischen Scheißdreck“ vergleiche?
    Wobei das „Scheißdreck“ deine Wortwahl war, nicht meine.

    Ich würde es so ausdrücken, dass Akupunktur auf unsinnigen und unbewiesenen, esoterischen Behauptungen beruht!

    Und weißt du was, ich denke, dass du das genauso siehst.
    Du wirst jetzt wahrscheinlich sagen: „Ja, meinetwegen, das sind wilde, esoterische Behauptungen, aber dieses ideologische Konzept interessiert mich nicht, das ignoriere ich.“

    Mag sein, dass du das machst. Vielleicht aber auch nicht.
    Wenn du Akupressur oder Akupunktur selbst machst, achtest du dann darauf genau irgendwelche Punkte und Stellen zu treffen? Vielleicht nach einer „Meridian-Karte“? Und diese Punkte sind bestimmten Erkrankungen zugeordnet?

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    1. Veto:

      "Durch einen kleinen Schmerzreiz können Sie die Wahrnehmungsschwelle beeinflussen und verschieben. Das kennt jedes Kind, wenn es sich kneift, um einen anderen Reiz zu unterdrücken. In der modernen Medizin wird dies mit Hilfe der elektrischen Neurostimulation erfolgreich zur Schmerzbekämpfung genutzt."

      Aus: http://www.dr-bertelsen.de/documents/prof1401_wiss_c_BERTELSEN-1.pdf

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  9. Teil 2:
    _______________________________________

    Weißt du, was in Studien festgestellt wurde? Man hat zwei Gruppen von Menschen gebildet und die erste Gruppe exakt nach den Anweisungen der Akupunktur und der Meridianlehre behandelt. Bei der zweiten Gruppe von Menschen hat man die Nadeln wahllos IRGENDWOHIN reingestochen.

    Ergebnis: Beide Gruppen haben gleich abgeschnitten, d.h. die Erkrankungen haben sich gleich gut (oder gleich schlecht) verbessert!

    Und was sagt uns das? Überraschung: Das ganze Konzept mit Qi und Meridianen ist falsch. (Und man beachte, dass das trotzdem noch gelehrt wird, was der eigentliche Irrsinn ist!)

    Und es ist gleichzeitig ein Hinweis und Indiz dafür, dass nur ein Placebo-Effekt ausgelöst wird. Du kannst also an irgendwelchen Stellen deines Körpers Akupunktur oder Akupressur machen. Einfach wo du dich wohlfühlst. Es ist egal!

    Ich könnte jetzt auch noch lange über Studien reden, aber nur ein paar Sätze noch dazu:
    Du hast Recht, es gibt Studien, die Akupunktur eine Wirksamkeit (über Placebo) attestieren. Aber sie sind oft schlecht gemacht, nicht randomisiert, haben geringe Teilnehmerzahlen und sind selten doppelt-verblindet. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es zumindest zweifelhaft, ob Akupunktur wirklich eine Wirkung über dem Placebo-Effekt hat. Es gibt nämlich auch Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass dies nicht der Fall ist.

    Wir müssten hier noch lange diskutieren, aber du kannst dir auch mal grob das hier durchlesen:
    http://www.psiram.com/ge/index.php/Akupunktur?COLLCC=1055894570&#Wissenschaftliche_Studienlage

    Und du hast noch bei einer Sache Recht: Akupunktur ist nicht so irrsinnig wie Homöopathie. Allerdings ist das auch keine große Kunst, denn die Behauptungen der Homöopathie sind absolut lächerlich.

    Bei Akupunktur besteht zumindest die kleine Chance, dass durch das Nadel-stechen irgendwelche Hormone oder körpereigenen Schmerzmittel „entstehen“. Aber das ist immer noch nur Spekulation und deshalb ist die Akupunktur zu Recht umstritten, weil eine Wirkung nicht sauber und klar belegt ist. Von dem esoterischen Unterbau mal ganz abgesehen.

    ________________________________________

    Wir sind übrigens immer noch befreundet und sie hat ihre Meinung stark geändert.

    Ein paar Buchempfehlungen poste ich vielleicht heute Abend hier.

    Viele Grüße
    Stephan

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  10. Liebe Natalie,

    hier ein paar „skeptische“ Buchempfehlungen für kalte Winternächte zur intellektuellen Erwärmung:

    Ruben Mersch: Warum wir alle Idioten sind: Typische Denkfehler und wie man sie vermeidet
    http://www.amazon.de/Warum-wir-alle-Idioten-sind/dp/344217502X/ref=asap_bc?ie=UTF8

    Carl Sagan: Der Drache in meiner Garage. Oder die Kunst der Wissenschaft Unsinn zu entlarven
    http://www.amazon.de/Drache-meiner-Garage-Wissenschaft-entlarven/dp/3426774747
    http://ir.nmu.org.ua/bitstream/handle/123456789/122382/bbae64c1bf3391fedd10e7c429282f2d.pdf?sequence=1

    Carol Tavris: Ich habe recht, auch wenn ich mich irre: Warum wir fragwürdige Überzeugungen, schlechte Entscheidungen und verletzendes Handeln rechtfertigen
    http://www.amazon.de/gp/product/3570501167/ref=oh_details_o05_s00_i00

    Christoph Bördlein: Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine. Eine Einführung ins skeptische Denken
    http://www.amazon.de/gp/product/3932710347/ref=oss_product

    Guy P. Harrison: 50 Popular Beliefs That People Think Are True
    http://www.amazon.de/gp/product/1616144955/ref=oh_details_o05_s00_i00

    Sebastian Herrmann: Starrköpfe überzeugen: Psychotricks für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern, Fundamentalisten, Partnern und Ihrem Chef
    http://www.amazon.de/gp/product/3499620251/ref=oh_details_o01_s00_i00?ie=UTF8&psc=1

    Christopher Chabris: Der unsichtbare Gorilla: Wie unser Gehirn sich täuschen lässt
    http://www.amazon.de/gp/product/3492053513/ref=oh_details_o01_s00_i00?ie=UTF8&psc=1

    David McRaney: Ich denke, also irre ich: Wie unser Gehirn uns jeden Tag täuscht
    http://www.amazon.de/gp/product/3868822739/ref=oh_details_o01_s00_i01?ie=UTF8&psc=1

    Tobias Hürter: Schluss mit dem Bullshit!: Auf der Suche nach dem verlorenen Verstand
    http://www.amazon.de/Schluss-mit-dem-Bullshit-verlorenen/dp/3492056261/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1443810227&sr=1-1

    Jürgen Beetz: Denken - Nach-Denken - Handeln: Triviale Einsichten, die niemand befolgt
    http://www.amazon.de/gp/product/3865690548/ref=oss_product

    Stephen Law: Glauben Sie nicht jeden Bullshit: Wie Sie mentale Verführer durchschauen
    http://www.amazon.de/gp/product/3456851553/ref=oh_details_o00_s00_i00?ie=UTF8&psc=1


    Viel Spaß mit dem einen oder anderen Buch.

    Hier wären noch mehr Empfehlungen:
    http://www.nachdenken-bitte.de/kritisches-denken/meine-subjektiven-buchempfehlungen/


    Viele Grüße
    Stephan

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  11. > Eigene Erfahrungen sind jedem unbenommen, sie können auch von außen nicht beurteilt oder gar in Frage gestellt werden.

    Dem möchte ich etwas widersprechen. Oder besser, die Frage stellen, was ist 'Erfahrung'?

    Wenn die Erfahrung das ist, was der einzelne Patient erlebt hat - Ich war krank, dann nahm ich Globuli und war später gesund - dann stimmt die Aussage, dass man dies dem Patienten nicht nehmen kann. Nur Menschen, die Zeugen der Ereignisse waren, könnten dem widersprechen ('Damals hast Du doch keine Globuli genommen!').

    Was aber oft als 'Erfahrung' daher kommt, sind nicht die Tatsachen selbst, sondern die Schlussfolgerung daraus. '... also hat mir die damals Hp geholfen' und schlimmer noch '... daher weiß ich, dass die Hp mir hilft.'

    Genau dieses aus den erlebten Tatsachen abgeleitete Wissen, das oftmals auch 'Erfahrung' genannt wird, ist unser Problem, gegen das wir anarbeiten müssen.

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    1. Völlig richtig. Aber ich erlebe in den "Diskussionen" um die Hp immer wieder, dass der eine auf seine Erfahrung schwört und der andere mit Wissen kommt - auf diesem Weg können sich beide Parteien nie treffen. Es wird nur emotional. Aus meiner Einschätzung heraus deshalb, weil die Betroffenen meinen, persönlich angegriffen zu werden in ihrer Integrität und Selbsteinschätzung. Dem wollte ich etwas begegnen mit diesem Blog-Beitrag. Auch, um vielleicht der Möglichkeit Raum zu geben, die eigene Erfahrung in Deinem oben genannten Sinne hinterfragen zu können.
      Hoffnung stirbt zuletzt, weißt eh;-)

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  12. Der Großteil der Homöopathie-Fangemeinde leidet unter larvierten Depressionen. Für diese Klientel ist eine ärztliche Zuwendung enorm wichtig. Unter dem Tarnmantel einer ärztlichen Behandlung, die vorgibt, somatische Beschwerden zu heilen, ist es dieser Klientel möglich, ärztliche Hilfe zu beanspruchen, ohne dass sie durch eine psychiatrische Behandlung stigmatisiert werden. Die Zuckerkugeln sind kein Pharmakon sondern “Surrogat”.

    Wenn Sie diese “niedrigschwellige Psychotherapie” abschaffen, werden die Verschreibungszahlen für SSRI ansteigen und die Suizidrate erhöhen. Wir brauchen eine ärztliche Gesprächskultur, die dieses Faktum berücksichtigt und das ärztliche Gespräch entsprechend honoriert. Mein Vorschlag: Eine “Intensivberatung” (z.B. Dauer 45 Min. für 100.- Euro, gerne auch übertragbar…) würde hier sehr viel Druck aus dem Kessel nehmen.

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    1. So in etwa lautet ja das Fazit meines Buchs...!

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    2. Das Thema ist enorm wichtig. Die Verschreibungszahlen von SSRI für die Behandlung von Depressionen nehmen zu. Laut einer dänischen Kohortenstudie ist die Suizidrate bis zum Faktor 5 erhöht - besonders bei jüngeren Patienten. Siehe: "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität" von Peter C. Götzsche (Cochrane, Kopenhagen) oder auch der aktuelle Spiegel (Leserbriefe zum Germanwings-Unglück: 41/2015)

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  13. "Die Frage, ob es überhaupt ein suizidogenes Risiko von Antide-
    pressiva, und insbesondere von SSRI gibt, wird bis heute in der
    Ärzteschaft kontrovers und teilweise immer noch emotional dis-
    kutiert. Dabei zeigen sorgfältige Einzelbeobachtungen immer
    wieder, dass dem so ist. Hier sei insbesondere auf die Ergebnis-
    se innerhalb des großen psychiatrischen Nebenwirkungserfas-
    sungssystems AMSP hingewiesen, die auch die besondere Be-
    deutung der SSRI in diesem Kontext wiederum bestätigt haben.
    Die Behörden haben die Verpflichtung, bei begründetem Ver-
    dacht auf derartige Risiken aufmerksam zu machen. Die US-Stu-
    die zeigt, dass es in zeitlicher Folge in den USA zu einer abrup-
    ten Abnahme der Antidepressiva-Verordnungen bei der
    Ziel gruppe kam – im Hinblick auf die in den USA stets relevan-
    ten Haftungsfragen und aggressiven Patientenanwälte eine ver-
    ständliche Konsequenz. Gleichzeitig wurde eine äußerst mode-
    rate Zunahme von Suizidversuchen, jedoch nicht von Suiziden
    beobachtet, die verschiedenste Ursachen haben könnte. Im Hin-
    blick auf das stetig weiter wachsende Verordnungsvolumen
    neuerer Antidepressiva (fast 5 % aller Mädchen zwischen zwölf
    und 17 Jahren in den USA nehmen ein Antidepressivum) und
    der zunehmenden Indikationsausweitungen erscheint es ärzt-
    lich durchaus gerechtfertigt, über eine restriktivere Indikations-
    stellung nachzudenken. Geddes und Cipriani reflektieren in
    einem sehr lesenswerten Kommentar zu der obigen Studie darüber, was geschehen müsste, damit behördliche Warnungen
    nicht zu einer Verschlechterung, sondern zu einer Optimierung
    der Therapie und ihrer Sicherheit führen. Dazu gehört unter an-
    derem, dass zum Beispiel die Möglichkeiten alternativer Thera-
    pie angesprochen werden. Nachdenklich machen nämlich ame-
    rikanische Studien, die zeigen, dass die Häufigkeit der Diagnose
    „Depression“ bei Jugendlichen abnahm, dass Psychotherapie
    nicht verstärkt verordnet wurde und dass auch – entgegen den
    Empfehlungen der FDA – das Monitoring der behandelten Pa-
    tienten nicht verstärkt wurde. Dies alles lässt vermuten, dass die
    Indikation für die Gabe von Antidepressiva in vielen Fällen wohl
    doch vage war, und die behördliche Warnung nicht mit der not-
    wendigen ärztlichen Vernunft umgesetzt wurde."

    Bruno Müller-Oerlinghausen, Berlin:
    "Berechtigte Warnung wurde nicht ärztlich vernünftig umgesetzt"

    In|Fo|Neurologie & Psychiatrie
    2014; 16 (10)

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  14. Es ist ja sowieso die Frage wohin mit all den Patienten, die sich bisher in der Hp gut aufgehoben fühlen. Ich denke oft daran, was ich als Homöopathin so aufgefangen habe und aus normalen Praxen "ferngehalten". Alles keine Patienten, die eindeutig depressiv (im klinischen Sinne) waren oder dringend zB SSRI gebraucht hätten, dennoch aber schwer betroffen waren und in ihrer Lebensführung eingeschränkt. Wohin mit diesen Patienten - ohne gleich eine erhöhte Suizidrate, mit oder ohne SSRI, in den Raum zu stellen, finde ich das ein bisher ungelöstes Problem beim Verlassen der Homöopathie.

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  15. Die larviert Depressiven werden verstärkt dem teilausgelasteten umsatz- und renditefähigen Maschinenpark zugeführt. Gesprochen wird nicht, weil sich niemand für eine Pauschale von 30.-/Quartal länger als fünf Minuten mit Problemen befassen kann. Was mich persönlich aber erheblich irritiert, ist die damit induzierte und damit auch kausal verknüpfte ungebremste Abzocke der Tumorpatienten.

    Die Präsidentin der Deutschen Krebsgesellschaft, Dr. Jutta Huebner, stimmt hier zu:

    http://www.dr-bertelsen.de/documents/Profil-Wissen-Feedback.pdf

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