Dienstag, 2. Februar 2016

Ergebnisse des Treffens der Homöopathiekritiker - Netzwerk Homöopathie

Nach zwei Tagen intensiver Arbeit und interdisziplinärem Brainstorming sind wir zu einem beachtlichen Ergebnis gekommen. Die offizielle Pressemitteilung lautet:

Informations-Netzwerk Homöopathie

Ein neu gegründetes Aktionsbündnis will auf die Gefahren von Pseudomedizin für Patienten aufmerksam machen.

Homöopathie-Kritiker haben ein „Netzwerk Homöopathie“ ins Leben gerufen. Unter diesem vorläufigen Namen bündeln Mediziner, Apotheker, Wissenschaftler aller Disziplinen, Journalisten, Blogger und andere Interessierte ihre Aktivitäten gegen Pseudomedizin. Gemeinsam sollen Aktionen entwickelt und Informationen für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Das Ziel ist, die therapeutische Unwirksamkeit homöopathischer Präparate ins allgemeine Bewusstsein zu bringen.

„Irrtümer und Täuschungen“

Die Leitung des Netzwerks hat die ehemalige Homöopathin Dr. Natalie Grams übernommen. Initiiert wurde das Gründungstreffen in Freiburg von dem Ingenieur Dr. Norbert Aust. Beide sind als Homöopathie-kritische Buchautoren („Homöopathie neu gedacht“ und „In Sachen Homöopathie – Eine Beweisaufnahme“) hervorgetreten. Unter den mehr als 30 Teilnehmern war auch der Verfasser der „Marburger Erklärung zur Homöopathie“ von 1992, Prof. Rudolf Happle. In dem Dokument hatte Happle als Direktor der Marburger Universitäts-Hautklinik darauf hingewiesen, dass das Fundament der Homöopathie aus Irrtümern und Täuschungen besteht.

Fallsammlung mit negativen Erfahrungen

Weitere Mitglieder des Netzwerks sind der Medizinjournalist Dr. Christian Weymayr („Die Homöopathie-Lüge“), der Vorsitzende des GWUP-Wissenschaftsrats Prof. Wolfgang Hell, der Apotheker Dr. Edmund Berndt von der österreichischen Initiative für wissenschaftliche Medizin und der Verbraucherschützer Guido Bockamp vom Deutschen Konsumentenbund. Eine Liste mit kompetenten Ansprechpartnern zu allen Fragen und Aspekten der homöopathischen Patientenverdummung wird das Netzwerk in Kürze veröffentlichen.
Außerdem sind verschiedene Online-Projekte geplant, darunter eine Info-Plattform mit den Kontra-Argumenten der Homöopathie-Kritiker sowie eine Sammlung von Fällen, bei denen homöopathische Behandlungen nachweislich geschadet haben. Das Netzwerk Homöopathie setzt damit einen Kontrapunkt zu den anekdotischen „Erfolgs“-Berichten der Homöopathen. Auch die vielen inneren Widersprüche der 200 Jahre alten dogmatischen Heilslehre sollen offengelegt werden. Um herauszustellen, dass Homöopathie keine Alternative ist, will das Netzwerk künftig den Begriff Pseudomedizin statt „Alternativmedizin“ etablieren.

Hundekot statt „excrementum canis“

Auch auf Politik, Hochschulen und Gesundheitssystem wollen die Netzwerk-Mitglieder mit ihren Aktivitäten einwirken. Wissenschaftliche Fachverbände sollen dafür gewonnen werden, sich zu den abstrusen Grundlagen der Homöopathie eindeutig zu positionieren und Falschbehauptungen – etwa was die Studienlage, den Wirkmechanismus oder Erklärungsmodellen angeht – richtigzustellen.
Als Fernziele sehen die Netzwerk-Aktivisten die Aufhebung des sogenannten Binnenkonsenses für die „Besonderen Therapierichtungen“ und die Abschaffung der Apothekenpflicht für homöopathische Mittel. Denn diese rechtliche Sonderstellung gaukelt dem Patienten eine Gleichstellung von Homöopathie und wissenschaftsbasierter Medizin vor.
Ein erster Schritt dahin wäre, dass die Inhaltsstoffe homöopathischer Produkte auch auf Deutsch auf der Verpackung angegeben werden müssen. „Excrementum canis und urinum equinum sagt ja niemandem etwas – das ist bei Hundescheiße und Pferdepisse schon anders“, erklärte Aust in Freiburg vor der Presse.


Foto: Andreas Weimann

Kommentare:

  1. Das ist das Arbeitsergebniss von über 30 Menschen in 3 Tagen? Wow.

    "Wissenschaftler aller Disziplinen"
    Sie vereinen Wissenschaftler aller Disziplinen in 30 Menschen.
    Das müssen wirklich sehr intelligente Menschen sein

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    1. Vielen Dank, wir sind auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis

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    2. Vielen Dank für Ihren Einsatz, Frau Grams! Ich drücke Ihnen und dem gesamten Netzwerk die Daumen. Vor allem die Deklaration der 'Inhaltsstoffe' auf Deutsch wäre eine gute Sache. Könnte zumindest den einen oder anderen zum Nachdenken anregen.

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  2. Sehr geehrte Frau Grams,
    ich unterstütze Ihre Initiative aus voller Überzeugung, hoffend, dass sie dazu beitragen möge, den homöopathischen Unsinn v.a. auch aus der ärztlichen Praxis zu vertreiben.
    Daher frage ich:
    Wurde das Informationsnetzwerk Homöopathie als Verein gegründet? Könnten evtl. gar Gemeinnützigkeitskriterien erfüllt sein? ((wg. "Absetzbarkeit" finanzieller Unterstützung) im Wortsinn ist das Netzwerk zweifellos gemeinnützig)
    Ist eine eigene Homepage geplant? Wurde evtl. überlegt, eine Art Liste sich zu wissenschafts-/evidenzbasierter Medizin bekennender Ärzte und Wissenschaftler einzuführen?
    Ich denke, mehr Öffentlichkeit wäre in dieser Richtung sinnvoll, gerade auch aus der Ärzteschaft, sich entsprechend positionieren zu können.

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    1. Guten Tag, ich freue mich über Ihre unterstützenden Worte.

      Formal ist das Netzwerk kein Verein, sondern ein GWUP Gremium. Einem solchen Gremium können auch NichtGWUPmitglieder angehören und die GWUP macht unserem Netzwerk keine Vorgaben.

      Spenden können abgesetzt werden, wenn jemand an die GWUP spenden möchte. Die GWUP (und der Deutsche Konsumentenbund) unterstützen das Netzwerk auch finanziell. Da diese Förderung ein Schwerpunkt der GWUP in diesem Jahr wird helfen Spenden an die GWUP auch dem Netzwerk.

      An der Homepage arbeiten wir fieberhaft unter www.netzwerk-homoeopathie.eu

      Gerne nehme ich auch Ihren Vorschlag mit der Liste auf. Zunächst müsste man allerdings noch vielen Ärzten (so wie mir) erstmal beibringen, was Wissenschaft ist;-))

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  3. Liebe Frau Grams,
    vielen Dank für Ihr Engagement. Ich als Apothekerin werde auf Ihre veröffentlichten Informationen in Zukunft zurückgreifen.
    Ich würde gerne wissen, wie man die Homöopathie unter Tierschutz-Aspekten sehen kann. Es werden ja Spinnen, Ameisen, Wespen und andere Insekten sowie Drüsen von Nutztieren verwendet. Im Homöopathischen Arzneibuch kann ich keine Auskunft dazu finden, die Herstellerfirmen geben auch nichts preis.
    Und wie wird das ominöse hcg für Abnehmglobuli gewonnen? Komischerweise wollten es alle auch dann noch einnehmen, nachdem ich ihnen erklärte, was es ist.

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    1. Vielen Dank für Ihr feedback.
      Meines Wissens werden manche Tiere dafür natürlich getötet (z.B. Insekten). Andererseits sind viele Homöopathie-Hersteller stolz darauf, bei der Herstellung auf den Tierschutz zu achten. So werden die Milchmittel zB eher von Tieren gewonnen, die eh schon Gefangenschaft sitzen (wobei dann unter Homöopathen diskutiert wird, ob sich das nicht auch auf den "Geist" des Mittels auswirkt;-) oder es wird etwas Blut entnommen, wenn die Tiere zB aufgrund von Verletzungen in einer Tieraufzucht/krankenstation sind (das weiß ich zB von einigen Wildtiermitteln). Hier können auch Federn für Vogelmittel gewonnen werden. Auch reisen manche Hersteller auf eigene Faust in ferne Länder, um z.B. an seltene Schlangengifte zu kommen. Dass da kein Aufwand getrieben wird, kann ich also nicht sagen. Umso mehr werden diejenigen daran hängen. Wer will schon gerne zugeben, dass all der Aufwand umsonst war?

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  4. In Europa wird ja generell alles befürwortet, was zumindest einen wirtschaftlichen Nutzen hat. Sei es nützlich oder Gift. Jetzt muss man sich doch fragen, warum man ausgerechnet die Homöopathie aus dem Weg räumen will? Ach ja, genau, weil sie schnell und zuverlässig wirkt. Ich hatte 5 Jahre lang chronische Infekte, am Ende half weder Antibiotika (wqs ja auch gerne im Tieeversuch getestet wird) noch sonst was. ..Dass sie das, was sie da schreiben selbst nicht glauben ist mir schon klar. Aber bitte hören Sie auf zur Volksverdummung und Manipulation beizutragen. So käuflichen Leute wie Sie sind einfach nur peinlich.

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  5. Ach was, der Kommentar wird erst nach Freigabe sichtbar. Ok, dann schade dass er nie veröffentlicht wird. Deshalb gibts auch nur gutes Feedback unter dem Artikel, ich habe mich schon gewundert. Wenden Sie für Ihre Bücher das selbe Prinzip an? liebe Grüße an die restlichen Pharmanutten

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