Freitag, 4. März 2016

Prominente Homöopathen reagieren auf unser Informationsnetzwerk

Obwohl unser Informationsnetzwerk Homöopathie nach außen noch gar nicht richtig aktiv ist, erfahren wir eine sehr starke Beachtung von allen Seiten. Vor Kurzem hat auch sich einer der prominentesten Vertreter der Homöopathie in Deutschland, Professor Harald Walach,  in einem längeren Artikel auf seiner Webseite zur Gründung unseres Informationsnetzwerks geäußert: hier
Dr. Norbert Aust und ich haben hierzu wiederum Stellung genommen (Email ging heute raus):


Sehr geehrter Herr Professor Walach,
es freut uns vom Informationsnetzwerk Homöopathie sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben, sich mit unserem Anliegen auseinanderzusetzen. Dies bestätigt uns darin, dass wir ernstgenommen werden, was für uns wiederum ein Zeichen dafür ist, dass unsere Arbeit wichtig ist.
Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Kritik neu und endgültig wäre. Ganz im Gegenteil, vieles wird darauf hinauslaufen, schon lange bestehende Vorbehalte gegenüber der Homöopathie zusammenzutragen und in einer allgemeinverständlichen und ansprechenden Form zu präsentieren. Dass diese Vorbehalte schon lange von den Vertretern der Homöopathie ignoriert werden und ein geschicktes Marketing und wirksame Lobbyarbeit dagegen gesetzt wurden, ist dabei nur von untergeordneter Bedeutung.
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Das Thema des historischen Bewusstseins bietet keinen großen Anlass zum Dissens. Wir sehen die Ursachen des historischen Erfolges der Homöopathie genau so wie Sie als Kontrastprogramm zu ungeeigneten Therapien zu Hahnemanns Zeiten und danach.
Ihrer Lektion Nummer 1 ist aber zu widersprechen.
Sie übertragen darin den für die Homöopathie vorteilhaften Vergleich zu gänzlich unpassenden Therapien auf die heutige Zeit. Sie sprechen der heutigen Medizin und ihren Medikamenten weitgehend den Nutzen ab, womit naturgemäß der Eindruck entsteht, dies seien weitgehend Präparate, die zwar Schaden bringen, aber keinen Nutzen haben. Sie stellen heutige Medikamente damit auf eine Stufe mit Aderlass, Quecksilberanwendungen und Haarseil, deren therapeutischer Wert sicher generell angezweifelt werden muss. Dass die Brownschen Ansätze, die sich auf Stimulierung und Sedierung beschränkten, sich hinsichtlich ihrer Wirksamkeit davon positiv abheben, ist kaum anzunehmen. Dieser doch sehr pauschalen Abwertung der Errungenschaften unseres Gesundheitswesens ist entschieden zu widersprechen, siehe unten.
Herr Prof. Walach, ich will einfach nicht glauben, dass Sie aus Ihrer Warte den Fortschritt der Medizin und der Pharmazie seit den 1850er Jahren nicht registriert haben oder gering schätzen. Es mag sein, dass es einzelne Medikamente gibt, deren Nutzen vielleicht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Schadenspotenzial steht, besonders wenn sie bei falschen Indikationen - Stichwort Antibiotika bei Erkältungskrankheiten - angewendet werden. Wollen Sie das aber wirklich auf alle 676.000.000 Verordnungen pro Jahr von 43.000 rezeptpflichtigen Medikamenten übertragen (Zahlen von 2012) [1]?
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Sie werfen die Frage auf, warum die Homöopathie gerade dann wieder populär wurde, als die Auswüchse einer verfehlten Struktur des Gesundheitswesens als Selbstbedienungsladen korrigiert wurden und man sich über Kostendämpfung Gedanken machte. Interessanter Aspekt, dass dies zeitlich zusammenfällt. Wobei ich dies eher auf die späten 70er schieben würde: Ein Anfang der 1970er Jahre erschienenes Lexikon nennt die Homöopathie als bedeutungslos [2].
Interessant ist auch Ihr Hinweis, dass die Homöopathie in Indien die Medizin der armen Leute sei. Dann fragt man sich doch, wie es kommt, dass die wohlhabenderen Teile der indischen Bevölkerung diesem Beispiel offenbar nicht folgen. Diese Leute müssen doch recht dumm sein, dass sie ihren wirtschaftlichen Vorteil dafür einsetzen, schwere Krankheiten mit offenbar wesentlich ungeeigneteren und vor allen Dingen unangenehmeren Methoden zu therapieren.
Dass der Homöopathie etwas Spezielles anhaftet, wollen wir ja gar nicht in Abrede stellen - wir sehen es nur als ausgeschlossen an, dass dies die Wirksamkeit als medikamentöse Behandlung ist.
Im Weiteren sind wir uns durchaus einig, dass es bislang noch nicht gelungen ist, einen robusten Unterschied zwischen Placebo und Homöopathie zu finden, ich möchte ergänzen, weder in der Wirkung noch in den physikalisch-chemischen Eigenschaften des Präparats.
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Die Meta-Analyse von Mathie [3] ist also heute das Maß der Dinge, sagen Sie, nachdem - da muss ich Ihnen zustimmen - die Analyse von Shang et al. [4] durchaus mit einigen methodische Schwachstellen aufwartet. Ich behaupte aber, dass die Arbeit von Mathie, also von einem Homöopathen, eher die Aussagen der Kritiker der Homöopathie stützt als die ihrer Vertreter. Hierzu betrachten wir die von uns Skeptikern vertretenen Thesen zur Homöopathie:
These 1: Es gibt keine qualitativ hochwertige klinische Studie, in der das untersuchte Homöopathikum wirksamer war als das Placebo.
Mathie führt eine Qualitätsbewertung der Studien anhand der Kriterien durch, die von der Cochrane Collaboration veröffentlicht wurden [5]. Keine der eingeschlossenen Studien konnte dabei mit A ('Low risk of bias) bewertet werden. Dass er doch drei Studien als 'reliable evidence' einstufte, also im Widerspruch zu den Kriterien von Cochrane, war in seinem Protokoll [6] nicht vorgesehen und erfolgte somit post hoc. Dass er dabei auch noch daneben gegriffen hat und zwei Pilotstudien als belastbare Evidenz eingestuft hat, die das per definitionem nicht sein können, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

These 1 belegt.

These 2: Qualitativ bessere Studien kommen zu schlechteren Ergebnissen für die Homöopathie.
Mathie hat zwei Studien mit relativ unlauteren Mitteln aus der Betrachtung ausgeschlossen. Die eine, von White et al. [7], dadurch, dass man nicht das von den Autoren definierte Hauptergebnis betrachtete, sondern ein anderes, dessen Daten nicht vollständig berichtet wurden. Da man bei den Autoren nicht nach weiteren Angaben fragte, waren die Daten unvollständig, und die Studie wurde ausgeschlossen.
Die zweite war Ihre eigene Kopfschmerzstudie [8], deren Qualitätsbewertung mir nicht nachvollziehbar ist. Sie können dies auf dem Blog von Edzard Ernst [9] nachlesen, dort habe ich Ihre Arbeit gegen die ungerechtfertigte Kritik von Mathie verteidigt. Es wunderte mich eigentlich schon sehr, dass Sie die Kritik in Ihrer Analyse der Arbeit [10] einfach so hingenommen hatten. Beide Arbeiten, die von White und die Ihre, hätten wesentlich bessere Bewertungen verdient - was dann die Signifikanz von Mathies Ergebnis zum Kippen gebracht hätte - und gezeigt hätte, dass die besseren Studien eben kein positives Ergebnis zeigen.

These 2 belegt.

These 3: Homöopathika wirken nicht besser als Placebo.
Die Signifikanz eines Ergebnisses sagt nichts zur Stärke des Effekts aus. Betrachten wir das Ergebnis daher etwas genauer: Was sagt eine Odds Ratio von 1,53 eigentlich aus? Dazu müssen wir etwas in die Zahlen einsteigen: Odds Ratio ist ein relativer Bewertungsmaßstab, den Sie, Verzeihung, allerdings fehlinterpretieren. Eine OR von 1,53 sagt eben nicht aus, dass die Chance, von der homöopathischen Therapie einen Vorteil zu erhalten, um 53 % höher wäre [11]. Wenn wir in einem hypothetischen Fall einmal annehmen, dass Verum- und Placebogruppe jeweils 100 Teilnehmer gehabt hätten, und in der Placebogruppe hätten 50 Teilnehmer profitiert, dann wäre dies eine Quote von 1 (50/50) und eine Chance von 0,5 (50/100). In der Verumgruppe ergäbe sich eine Quote von 1,53, wenn 60 Patienten profitiert hätten und 40 nicht (60/40 = 1,5), also bei einer Chance von 0,6 (60/100) - was mitnichten um 53% größer ist als 0,5.
Sie haben allerdings insofern recht, als sich Quotenverhältnis und Chancenverhältnis für kleine Quoten annähern. Dann stellt sich aber eine ganz andere Frage: Beträgt die Quote in der Placebogruppe nur 0,1, also 9 Patienten haben einen Vorteil, 91 nicht, dann wäre OR = 1,53 gegeben,
wenn in der Verumgruppe zwischen 13 und 14 Patienten einen Nutzen hatten und 87 bzw. 86 nicht. Sind wir großzügig: In der Verumgruppe hatten ganze 5 Patienten mehr einen Nutzen gehabt als in der Placebogruppe. Wobei dies nun auch nicht die vollkommene Heilung gewesen sein muss, sondern das, was als Zielkriterium in den einzelnen Arbeiten festgelegt worden ist.
Wenn wir also eine Quote unter Placebo von 10 % annehmen - das dürfte in der Größenordnung den meisten Studien entsprechen - dann profitieren 5 von 100 Patienten. 19 von 20 werfen ihr Geld zum Fenster hinaus, denn bei ihnen wäre die Verbesserung auch ohne das Homöopathikum eingetreten, oder auch mit dem Homöopathikum nicht. 5 % entspricht der Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Alpha-Fehlers, also des Feststellens eines Effektes, obwohl keiner vorliegt. Mithin ist es Mathie nicht gelungen, einen überzeugenden Nachweis zu führen, dass sich Homöopathika von Placebo unterscheiden.
Wenn man überhaupt bedenkt, dass es sich hier um die Königsdisziplin der Homöopathie handelt - individuelle Verordnung von Einzelmitteln - dann wirkt das Ergebnis erst recht kümmerlich.

These 3 belegt.
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Gehen wir zu den Arzneimittelprüfungen. Sie schreiben, Sie hätten herausgefunden, dass homöopathische Substanzen mehr spezifische Symptome erzeugen als Placebo. Das ist doch eigentlich schon ein Witz, dass ein Placebo offensichtlich auch Wirkstoff-spezifische Symptome erzeugen kann, halt einfach weniger.
Wenn man aber bedenkt, dass die erzeugten spezifischen Symptome nicht notwendigerweise diejenigen waren, die zu dem Mittel gehören, sondern zu einem anderen, dann wird eine richtige Lachplatte daraus: In der Arbeit von Möllinger aus 2004 [12], die Sie zitieren, erzeugte Calendula neben 43 Calendula-Symptomen auch 17 Ferrum- und 30 Placebo-Symptome. Ferrum erzielte 22 Ferrum-Symptome, 32 Calendula-Symptome (also deutlich mehr als Ferrum-Symptome) und 44 Placebosymptome. Sie haben natürlich Recht, die Zahlen für Placebo waren deutlich kleiner.
Jetzt sagen Sie mir nur noch, wie bei den Arzneimittelprüfungen, die den Repertorien zugrunde liegen, sichergestellt wurde, dass man nicht Placebo-Symptome oder Calendula-Symptome unter Ferrum eingruppiert hat, und Sie haben mich fast überzeugt.
Zur allgemeinen Erheiterung, damit das hier nicht so langweilig wird, das Ergebnis einer Arzneimittelprüfung aus einer der von Ihnen zitierten Arbeiten [13]:
Geist: Schwierigkeiten sich zu konzentrieren
Geist: Leichte Probleme in der Sprache, Stottern
Geist: Mein inneres hektisches Gefühl ist völlig verschwunden
Geist: Ich mache Fehler, nachher das Gefühl zu fliegen, ich denke, werden das die Anderen merken?
Taub, ich verliere den Überblick; ungeschickt beim Essen
Kopf: Sehr starke Kopfschmerzen, frontal, bis in die Augen ausstrahlend, Übelkeit
Kopf: Kopfschmerzen, rechts, frontal, dumpf, drückend, bis in den Oberkiefer ausstrahlend
Wenn man jetzt denkt, das war eine Flasche Whisky, so irrt man sich. Das sind die Symptome, die unter der Einnahme von Placebo, also wirkstofffreien Zuckerkügelchen aufgetreten sind.
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Zwischen Ihren Narrativen auszuwählen, die sie jeweils einem konventionellen und einem homöopathischen Arzt in den Mund legen, ist aufgrund der Unvollständigkeit nicht möglich.
Sie lassen den Homöopathen eine Studie aus der Versorgungsforschung zitieren [14], die ohne Vergleichsgruppe durchgeführt wurde und dabei zu dem Ergebnis kam, dass 70 % der Patienten profitierten. Warum sagt Ihr Homöopath nicht dazu, dass die Hälfte der Probanden zusätzlich noch konventionelle Ärzte aufsuchten und auch am Ende der Beobachtungszeit noch ein Viertel konventionelle Medikamente eingenommen hat?
Wenn der gleiche Prozentsatz der Zufriedenheit bei der konventionellen Medizin gelten würde, liefe das auf etwa 180.000.000 [15] nicht zur Zufriedenheit verlaufene Therapien hinaus. Haben Sie Anhaltspunkte dafür, dass dies in dieser Größenordnung der Fall ist? Woher stammt überhaupt Ihre Annahme, nur in 50 % der Fälle würde ein Patient von der konventionellen Medizin eine Besserung erfahren?
Sie lassen den konventionellen Arzt auf möglicherweise nicht publizierte Studien hinweisen und die Wirksamkeit in Zweifel ziehen - warum spricht dann der Homöopath nicht davon, dass die Wirkungsweise der Homöopathie der Physik glatt widersprechen würde? Kenntnissen, die sich in allen anderen Gebieten bewährt haben, nur in der Homöopathie nicht gelten sollen?
Es ist nicht so, dass Homöopathika nicht in Doppelblindstudien untersucht worden wären, wie Ihr Homöopath sagt, er müsste vielmehr sagen, dass das vorgeschlagene Mittel vielleicht nicht untersucht wurde, aber dass dort, wo dies halbwegs solide durchgeführt wurde, die Homöopathika versagt haben.
Es ist nicht so, dass den Theorien zur Funktionsweise der Homöopathika nur noch der Beweis fehlt, es fehlt vielmehr schon daran, dass diese in keinster Weise das Gebilde Homöopathie erklären könnten, selbst wenn sie sich entgegen den Lehren der Physik als zutreffend erweisen würden.
Warum spricht Ihr Homöopath nicht über die Nebenwirkungen der Homöopathie? Diese müssen doch existieren, Sie haben doch gerade eben selbst über Arzneimittelprüfungen berichtet, in denen bei gesunden Menschen Symptome auftraten, die nach Ihren Angaben auf die Wirkung der eingenommener Mittel zurückgeführt werden können? Darauf müsste der Homöopath doch hinweisen! Warum spricht Ihr Homöopath nicht von der Erstverschlechterung, die der Patient möglicherweise durchleiden muss? Ohne feststellen zu können, ob dies nun die Folgen der Nicht-Behandlung sind oder nicht? Dass er folglich seinem Homöopathen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, der das auch nicht unterscheiden kann?
Warum spricht Ihr Homöopath nicht davon, dass es in der konventionellen Medizin Leitlinien gibt, die als Summe der Erfahrung vieler Mediziner aus Hunderten von ähnlichen Fällen die bestmöglichen Empfehlungen für eine optimale Behandlung geben? Dass in der Homöopathie die Repertorisierung jedoch recht willkürlich ist und daher viel Erfahrung des einzelnen Homöopathen voraussetzt? Und warum sagt er dem Patienten nicht auch, was passiert, wenn er einer derjenigen ist, an dem der Homöopath gerade seine Erfahrungen sammelt?
Warum weist Ihr Homöopath nicht darauf hin, dass es in der konventionellen Medizin eine ganze Reihe von Institutionen gibt, die der Qualitätssicherung der Medizin dienen, Beschwerdestellen, ja sogar ein Berichtswesen und Statistiken, bei der Homöopathie aber nicht?
Ich denke, man könnte das ziemlich lange fortsetzen. Sie haben sicher Ihre Gründe gehabt, diese Dinge nicht zu erwähnen.
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Sie sehen in der Homöopathie eine wissenschaftliche Anomalie, die man ernstnehmen sollte. Was soll denn dann dabei herauskommen, wenn man das tut?
In der Homöopathie wird postuliert, dass eine dem Mittel zuzuordnende Wirkung möglich ist, auch wenn das Mittel nicht mehr anwesend ist. In der Homöopathie wird postuliert, dass es ein Ähnlichkeitsgesetz gibt, dass bewirkt, dass sich die Wirkung eines Mittels umkehrt, wenn es statt von einem Gesunden von einem Kranken eingenommen wird. In der Homöopathie wird postuliert, dass chronische Krankheiten von Miasmen herrühren, die auf irgendwelchen auch vererbbaren 'Urübeln' beruhen.
Wo und wie ist auch nur einmal in den letzten 200 Jahren ein Beleg dafür erbracht worden, dass es sich hierbei nicht um reine Vermutungen aus vorwissenschaftlicher Zeit handelt, sondern dass es sich um reale, objektiv feststellbare, also ernstzunehmende Gegebenheiten handeln könnte? Wie soll man diese Dinge erforschen, wenn Sie das mit 'ernstnehmen' meinen, wenn man noch nicht einmal den Effekt reproduzierbar darstellen kann?
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Werden wirksame Therapien zu Gunsten der Homöopathie unterlassen?
Sie zitieren eine Befragung von privat versicherten Patienten, die angeben, im Fall des Falles die Therapie mit einer Konsultation beim Hausarzt zu beginnen. Ist das repräsentativ für das Gesamtgeschehen der Homöopathie? Sind darin auch die selbst bezahlten Konsultationen bei
Heilpraktikern erfasst oder die Eigenmedikation aufgrund von Therapieempfehlungen von Bekannten und aus dem Internet? Wie weit beeinflussen die Erstattungsregeln der Kasse diesen Verlauf? Wie weit haben die Patienten eine erwünschte Antwort gegeben und wie sieht es damit aus, wenn der Fall tatsächlich eintritt? Insbesondere, wenn die Werbetrommeln weiter so genutzt werden wie jetzt?
Den Abstracts der anderen angeführten Artikel ist nicht viel zu entnehmen.
Ein Aspekt, den ich allerdings in Ihren Ausführungen vermisse, ist die Verbreitung der Impfskepsis unter homöopathischen Therapeuten - und da bitte nicht nur auf die Ärzte sehen. Desweiteren erwähnen Sie nicht die Folgen, die die unqualifizierte Herabwürdigung von Medizin und Wissenschaft langfristig hat, die ebenfalls mit der Homöopathie recht stark korreliert. Es gibt heute schon große Gruppen der Bevölkerung, die den Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens so misstrauisch gegenüberstehen, dass sie Argumenten und Schutzmaßnahmen nicht mehr zugänglich sind und sich gefährlichen Therapien zuwenden - ich nenne nur MMS und Germanische Neue Medizin. Die Argumente, die dort genutzt werden, sind prinzipiell die gleichen wie für die Homöopathie.
Man kann sicher für eine komplementäre Medizin eintreten - aber das erfordert auch eine Standortbestimmung zu den Angeboten. Zweifelsohne gibt es in der Medizin Fehlleistungen - gibt es die in den als Alternativen beworbenen Therapien nicht? Mit etwas Recherche können Sie herausfinden, dass jährlich etwa 600.000.000 einzelnen Behandlungen eine Zahl von 12.230 [16, Zahl aus 2013] gemeldeten Behandlungsfehlern gegenübersteht. Selbst wenn Sie eine Dunkelziffer von 100-facher Größe unterstellen, ergibt sich eine Fehlerquote von weit unter einem Prozent. Wie sieht das in der angeblichen alternativen Medizin aus?
Tut mir leid, Herr Prof. Walach, die Probleme, die auch Sie der konventionellen Medizin pauschal anlasten, bedürfen einer Quantifizierung und eines Gütevergleichs mit der angeblichen Alternative. Dann können wir auch über ein 'Ernstnehmen' reden.

Dr. Norbert Aust, Initiator Informationsnetzwerk Homöopathie (Verfasser)
Dr. Natalie Grams, Leiterin Informationsnetzwerk Homöopathie (Unterzeichnerin)

Dieser Text wird in folgenden Blogs veröffentlicht.

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de
http://homoeopathie-neu-gedacht.blogspot.de

Sie sind gerne zur Diskussion eingeladen.



Quellenangaben:

[1] http://www.bpi.de/fileadmin/media/bpi/Downloads/Internet/Publikationen/Pharma- Daten/Pharmadaten_2013_DE.pdf
[2] Eintrag 'Hahnemann' in The New Ecyclopaedia Britannica' 15th edition, 1975
[3] Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JRT, Ford I: Randomised placebo- controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis, in: Systematic Reviews 2014, 3: 142, doi: 10.1186/2046-4053-3-142
[4] Shang A et al.: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy, Lancet 2005; 366: 726-32
[5] Higgins JPT, Altmann DC: Assessing risk of bias in included studies' enthalten in: Higgins JPT, Green S: Cochrane Handbook for Systematic reviews of Interventions, Cochrane Book Service, 2008
[6] Mathie RT, Legg LA, Clausen J, Davidson JRT, Lloyd SM, Ford I: Systematic review and meta- analysis of randomised, placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: Study protocoll, 2013. Version 1.0; 25 January 2013.
[7] White A, Slade P, Hunt C, Hart A, Ernst E: Individualised homeopathy as an adjunct in the treatment of childhood asthma: a randomised plcebo controlled trial. Thorax 2003; 58 (4) 317-321
[8] Walach H, Haeusler W, Lowes T, Mussbach D, Schamell U, Springer W, Stritzl G, Gaus W, Haag G: Classical homeopathic treatment of chronic headaches, in: Cephalalgia 1997; 17:119-126
[9] http://edzardernst.com/2014/12/homeopaty-proof-of-concept-or-proof-of-misconduct/
[10] http://harald-walach.de/methodenlehre-fuer-anfaenger/15-kann-man-mit-einer-meta-analyse- feststellen-ob-die-effekte-von-homoeopathie-sich-von-denen-von-placebo-unterscheiden/
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Quotenverh%C3%A4ltnis
[12] Möllinger, H., Schneider, R., Löffel, M., & Walach, H. (2004). A double-blind, randomized, homeopathic pathogenetic trial with healthy persons: Comparing two high potencies. Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde, 11, 274-280
[13] Möllinger, H., Schneider, R., & Walach, H. (2009). Homeopathic pathogenetic trials produce symptoms different from placebo. Forschende Komplementärmedizin, 16, 105-110.
[14] Witt, C. M., Lüdtke, R., Baur, R., & Willich, S. N. (2005). Homeopathic medical practice: Long term results of a cohort study with 3981 patients. BMC Public Health, 5, 115
[15] Nach der Statistik der Bundesärztekammer gab es 2014 148.000 ambulant tätige Ärzte, die im
Mittel etwa 900 Fälle pro Quartal zulasten der GKV abgerechnet haben. Zusammen mit einer geschätzten Zahl von Privatpatienten ergibt dies etwa 600.000.000 Behandlungen pro Jahr. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf- Ordner/Statistik2014/Stat14AbbTab.pdf https://www.kvno.de/downloads/honorar/fallwerte_fallzahlen_rlv2015-4.pdf
[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Behandlungsfehler

Kommentare:

  1. Dieser Beitrag wurde - offenbar ungelesen - auf "Alternativmedizin aktuell" http://paper.li/GesPraevention/1289824064?edition_id=3a1aa7f0-e35c-11e5-82e3-0cc47a0d1605 veröffentlicht bzw. angerissen.

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    1. Da wird aber auch alles zusammengewürfelt!

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    2. Wahrscheinlich macht der Verantwortliche gerade eine Reiki Fortbildung und hatte keine Zeit zu lesen...lol.

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  2. Sie haben einen wesentlichen Faktor komplett übersehen: Es gibt leider schlechte Therapeuten, Menschen mit mangelhafter Ausbildung, die irgendetwas homöopathisch nennen, sich um die Regeln der Kunst nicht scheren. Wer nicht auf Signifikanz verschreibt, hat das Organon nicht kapiert. Die Aussage, nur arme Leute in Indien gingen zum Homöopathen ist falsch. Es ist eher die Mittelschicht und Oberschicht, die die Praxen von Shankaran, Shah...... aufsuchen. Und hinsichtlich Studien verallgemeinernder Art, ja da hat die Homöopathie ein Problem, denn sie behandelt individuell kranke Menschen. Also nicht Migräne sondern eine individuell eigenartige Migräne. Von 100 Probanten wären also mindestens 50 verschiedene Migränen zu erwarten= 50 verschiedene Arzneien, die allesamt einseitige Kopfschmerzen in einer AMP hervorgebracht haben, jedoch nur die Arznei, die den Migränesymptomen von Nr 1 oder Nr 63 am ähnlichsten ist, wird Heilung bringen. Insofern kann eine 1 Mittel versus Placebostudie keinen Aufschluss bringen.

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    1. Sie sprechen da genau die Punkte an, die mich davon überzeugt haben, dass es mit der Homöopathie schwieriger ist, als bis dahin gedacht.

      1. Unabhängig von guten und schlechten Ausführern der Hp, ist das theoretische Konzept dahinter heute nicht mehr haltbar. Allein, dass sich Homöopathen so uneinig darüber sind, was und wie HP anzuwenden ist, ist doch ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Jeder bezeichnet den anderen als "nicht richtigen HP" - aber alle, sagen, dass es bei ihnen selbst super funktioniert. Das ist doch auffällig. Es können nicht alle recht haben. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich es selber wissen wollte.
      Haben Sie schon mal die Studien gelesen, Hahnemann gelesen, viele kritische Texte gelesen? Ich war bass erstaunt, wie sich dadurch mein Blick auf meine geliebte Methode verändert hat und wäre gespannt, ob Ihnen das ähnlich geht.

      2. Es ist doch gar nicht schwer, dazu eine Studie zu machen. Jeder Homöopath arbeitet weiter, wie bisher und verordnet für individuelle Beschwerden ein individuelles Mittel. Ein Notar teilt dann der zufällig ausgewählten Hälfte der Patienten jedoch nicht das gewählte Mittel sondern Leerglobuli zu, ohne dass HP und Patient dies wissen. Man kann bei einer genügend großen Gruppengröße dann sehen, ob es Unterschiede gibt, wenn man hinterher auflöst, wer was bekommen hat.
      Ist alles schon geschehen - kein Unterschied. Wie erklären Sie sich das?

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  3. Hey

    Lachplatte kannte ich noch gar nicht. Lol. Aus ihrem schwarzem Humor ist ja schon Hohn geworden. Freunde werdet ihr so nicht. :)

    Aber eigentlich will ich was zum Nutzen ihrer vielen vielen Worte und Bemühungen sagen. Ist natürlich nur eine Weisheit aus meinem bescheidenen Leben :)


    Kennen sie die 80/20 Regel? Mit 20% ihres Einsatzes, muss 80% wertvolles und ausschließlich verständliches Wissen entstanden sein. Alles andere ist für sie und vor allem für den Leser mühselig. Oder anders ausgedrückt: Weniger ist mehr.


    Eine lange Diskussion mit dem Proffessor Walach ist, so glaube ich, ein Beispiel für 99% Einsatz und 1% Erfolg. Ein Professor für Forschungsmethodik, der die Bedeutung der "Odd Ratio" nicht kennt, denn können sie als Diskussionspartner abschreiben. Der ist viele Planeten von der Erde entfernt. Das Problem ist dabei nicht, dass er die Bedeutung von 'OR' nicht kennt, sondern dass er seit Jahren fleissig Studien analyisert und nicht merkt, dass er sie nicht versteht. Zumindest wenn die OR genutzt wird. Es geht sogar so weit, dass er mit dem Stuß argumentiert. Der hat ganz andere Probleme, die sie in ihrer verbliebenen Lebenszeit nicht lösen werden.


    80/20 wäre aus meiner Sicht:
    Es reicht aufzuzeigen, dass der Prof. die Vorurteile bestätigt, die man gegenüber Homöophaten hat. Er ist nicht in der Lage sich selber zu reflektieren. Er hat im Zweifel jede Studie, die mit der Odd Ration als statisches Darstellungsmittel arbeitet, nicht verstanden. Natürlich stürzt damit das Gerüst der Homöophatie nicht zusammen. Aber so ein Fehler, bei solch einer wichtigen Person, muss bei den Lesern haften bleiben.

    joa :)

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    1. Jao, da stimme ich Ihnen zu. In dem Fall kann ich mich herausreden - der Text ist der von Dr. Aust, ich bin als Leiterin "nur" Mitunterzeichnerin, hab also nur 1% Anteil und bin fein raus;-)

      Für mich ist auch auffällig, dass ein sich kritisch denkender Mensch einen solchen blinden Fleck haben kann, oder zu nahe dran ist an einer geliebten Methode, dass ihm solche krassen Fehler unterlaufen. Irgendwie scheint sich das von Hahnemann an durchzuziehen.

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  4. Nach einigen Versuchen der Homöopathie mit Quanten etwas an einem Mechanismus herbeizureden, hat sich jemand dieses Geschwurbel aus - nunja - technischer Sicht scheinbar detailliert zu Herzen genommen, wirkt noch etwas unausgegoren, aber immerhin:

    www.nchstick.com

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    1. Das ist ernst gemein? Ich schnall ab. Und das vor allem als Homöopathin!

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    2. Bin mir nicht sicher. Jedenfalls kann ich (Laienkritiker) nichts gegen den "Wirkmechanismus" sagen.

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    3. Na endlich - das hat mir ja gerade noch zwischen den Ostereiern gefehlt...

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